Die „Sachbücher des Monats“ sind eine unabhängige Empfehlungsliste. In Kooperation mit „Die Literarische Welt“, RBB Kultur, Radio Österreich 1 und „NZZ“ kürt eine Jury jeden Monat zehn lesenswerte Titel aus Geistes-, Natur-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Im März lohnen sich:
1. Volker Weiß:
Das Deutsche Demokratische Reich. Wie die extreme Rechte Geschichte und Demokratie zerstört. Klett-Cotta, 288 Seiten, 25 Euro*
Der Hamburger Publizist bietet zum wiederholten Male verlässliche Aufklärung über die geschichtspolitischen Volten der Neuen Rechten in Deutschland.
2. Laura Wiesböck:
Digitale Diagnosen. Psychische Gesundheit als Social-Media-Trend. Zsolnay, 176 Seiten, 22 Euro*
Die österreichische Soziologin zeigt auf, wie die inflationäre Verwendung psychopathologischer und therapeutischer Begriffe in sozialen Netzwerken den Medientrend „Mental Health“ hervorgebracht hat.
3. Peter Sloterdijk:
Der Kontinent ohne Eigenschaften. Lesezeichen im Buch Europa, Suhrkamp, 296 Seiten, 28 Euro*
Deutschlands wichtigster lebender Denker hat sich in Vorlesungen am Collège de France mit der Idee Europa auseinandergesetzt. Lesen Sie hier eine ausführliche Besprechung des Buches.
4. Pankaj Mishra:
Die Welt nach Gaza. S. Fischer, 304 Seiten, 25 Euro*
Dieses Buch kann man nur kritisch lesen, als Barometer der Ressentiments, mit denen der Postkolonialismus Deutschland, Israel und den Westen überzieht – und als Inspektion in die Kontroversen, die uns noch erwarten. Denn Mishra gehört zu den Intellektuellen aus dem „Globalen Süden“, die den Westen seit Jahren kritisch hinterfragen.
5. Wolfgang Benz:
Exil. Geschichte einer Vertreibung 1933 – 1945. C. H. Beck, 407 Seiten, 36 Euro*
Hunderttausende Deutsche verließen das Land wegen der Nazis. Wohin und mit welchen Schwierigkeiten legt der renommierte Zeithistoriker in dieser Übersicht dar.
6. Volker Reinhardt:
Esprit und Leidenschaft. Kulturgeschichte Frankreichs. C. H. Beck, 656 Seiten, 38 Euro*
Anhand von Literatur, Malerei, Architektur und Musik, von Mode, Film- und Kochkunst zeigt der Historiker von der Universität Fribourg, wie sich die französische Kultur seit dem 11. Jahrhundert herausgebildet hat.
7. Aladin El-Mafaalani, Sebastian Kurtenbach, Klaus Peter Strohmeier:
Kinder – Minderheit ohne Schutz. Aufwachsen in der alternden Gesellschaft. Kiepenheuer & Witsch, 288 Seiten, 24 Euro*
Drei Autoren erläutern, wie die jüngere Generation notorisch vernachlässigt wird und was Abhilfe schaffen könnte.
8. Manfred Koch:
Rilke. Dichter der Angst. C. H. Beck, 560 Seiten, 34 Euro*
Neben dem Rilke-Buch von Sandra Richter sollte man zum 150. Geburtstag des Dichters unbedingt auch Kochs luzide Darstellung von Rilkes Werk und Leben zurate ziehen.
9. Jochen Hellbeck:
Ein Krieg wie kein anderer. Der deutsche Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion. Eine Revision. S. Fischer, 688 Seiten, 36 Euro*
Eine Neubewertung des Zweiten Weltkriegs, die unseren Blick auf die Entstehung des Holocaust verändert. Hellbeck zeigt, wie eng Antibolschewismus und Antisemitismus in der NS-Propaganda verknüpft waren.
10. Petra Gehring:
Biegsame Expertise. Geschichte der Bioethik in Deutschland. Suhrkamp, 1343 Seiten, 78 Euro*
Dieses Opus Magnum beleuchtet das systemische Zusammenspiel von Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit an exemplarischen Debatten wie Hirntod, Retortenbabys und Präimplantationsdiagnostik.
Die Extra-Empfehlung:
Neben den zehn Tipps der Jury kommt jeden Monat eine zusätzliche Empfehlung von einem Gast. Diesmal von Prof. Dr. Helwig Schmidt-Glintzer (Sinologe und Publizist, EuroAsia-Institut Nürnberg). Er empfiehlt:
Friedrich Heckmann: Einwanderung mit Zukunft. Neue Nationsbildung in Deutschland statt Minderheitengesellschaft. Campus Verlag, 256 Seiten, 32 Euro*
„Wer sind ‚Wir‘ in Deutschland und wer gehört dazu? Auf der Grundlage der deutschen und internationalen Migrations- und Integrationsforschung prüft Friedrich Heckmann, ob sich ethnische Minderheitenbildung infolge von Einwanderung verfestigt oder ein Übergangsphänomen im Integrationsprozess ist. Die auf empirischer Forschung basierende Studie macht deutlich, dass es im Zeit- und Generationenverlauf zu einem (wechselseitigen) Annäherungsprozess zwischen Einheimischen und eingewanderten Bevölkerungsteilen und deren Nachkommen in fast allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens kommt. Deutschland erweist sich als integrative Gesellschaft, die in einem Prozess »Neuer Nationsbildung« Gegenwart und Zukunft der Einwanderung gestaltet. Ein immer noch Augen öffnender Beitrag zur anstehenden Migrationswende.“ (Helwig Schmidt-Glintzer)
Die Jury der Sachbücher des Monats
Tobias Becker, „Spiegel“; Eike Gebhardt, Berlin; Knud von Harbou, Publizist, Feldafing; Prof. Jochen Hörisch, Uni Mannheim; Günter Kaindlstorfer, Wien; Otto Kallscheuer, Sassari (Italien); Petra Kammann, „Feuilleton Frankfurt“; Jörg-Dieter Kogel, Bremen; Wilhelm Krull, The New Institute, Hamburg; Marianna Lieder, freie Kritikerin, Berlin; Lukas Meyer-Blankenburg, SWR Wissen; Gerlinde Pölsler, „Falter“; Marc Reichwein, WELT; Thomas Ribi, „NZZ“; Wolfgang Ritschl, ORF; Sandra Richter, Deutsches Literaturarchiv Marbach am Neckar; Florian Rötzer, „Krass & Konkret“; Norbert Seitz, Berlin; Anne-Catherine Simon, „Die Presse“, Wien; Prof. Philipp Theisohn, Uni Zürich; Andreas Wang, Berlin; Harro Zimmermann, Bremen; Stefan Zweifel, Schweiz.
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