Die Arte Fiera in Bologna endete mit Pfiffen der Galeristen. Der Protest, eine Initiative des Verbands Italics, der 74 der wichtigsten italienischen Galerien vereint, richtete sich nicht gegen die Kunstmesse, sondern gegen die Regierung, die – am Tag der Arte-Fiera-Eröffnung – die Senkung der Mehrwertsteuer auf Kunstwerke nicht in ihr aktuelles Kulturdekret aufgenommen hatte.

In einem schwierigen Klima für den Kunstmarkt, der nach der Post-Covid-Euphorie eine Phase der Verlangsamung erfährt, waren Händler wie Käufer voller Hoffnung nach Bologna gekommen. Aber die Nachricht kühlte die Stimmung ab und ließ Sorgen um die Zukunft aufkommen. Denn Italien hat einen gravierenden Wettbewerbsnachteil gegenüber Nachbarländern, die die von der Europäischen Union gegebene Möglichkeit genutzt haben, die Mehrwertsteuer auf Kunsttransaktionen auf 5,5 Prozent (in Frankreich) und 7 Prozent (in Deutschland) zu senken. In Italien bleibt der Steuersatz bei 22 Prozent, macht also fast ein Viertel des Gesamtpreises eines Kunstwerks aus.

„Der Kunstmarkt ist einer der globalisiertesten Märkte überhaupt“, erklärte Simone Menegoi, von 2028 bis 2025 künstlerischer Direktor der Arte Fiera. „Wie können unsere Galerien, die vielleicht mit denselben Künstlern wie eine deutsche oder französische Galerie arbeiten, mit ihnen konkurrieren, wenn die Mehrwertsteuer dreimal so hoch ist?“ Enea Righi, Sammler und Geschäftsführer der Bologneser Messe ergänzte: „Ich habe viele Galerien sagen hören, dass sie ins Ausland umziehen wollen.“

Künstler verkaufen immer häufiger direkt

Nicola Ricciardi, Messedirektor der MiArt in Mailand, wies darauf hin, dass italienische Kunst außerhalb Italiens steuerlich günstiger gehandelt werden kann. Nachwuchskünstlern in Italien müsse man „Hoffnung und Perspektiven geben, nach der Akademie ein System zu haben, das sie unterstützt und wachsen lässt.“ Galerien seien für den Aufbau von Künstlern und den Export von Talenten unverzichtbar.

Raffaella Cortese, eine Mailänder Galeristin, die internationale Künstlerinnen wie Roni Horn, Kiki Smith und Joan Jonas vertritt, kämpft seit Langem für eine Mehrwertsteuersenkung. „Schon als ich vor 20 Jahren Vizepräsidentin des Galerienverbands war, klopften wir an die Türen des Finanzministeriums und des Kulturreferats, aber ohne große Erfolge.“ Unter diesen Bedingungen zu arbeiten, werde schwieriger. „Das Risiko: Künstler verkaufen immer häufiger direkt mit einer Mehrwertsteuer von 10 Prozent.“ Aber Galerien als Vermittler zu umgehen, „ist nicht fair“, so Cortese.

Dies sind nur einige der vielen Stimmen der Unzufriedenheit. Von der Regierung Meloni, die Steuersenkungen und die Unterstützung von Unternehmen predigt, hatte der Kunsthandel mehr Entgegenkommen erwartet. „Kultur ist das Öl Italiens, das ist der Slogan, auf den sich alle einigen können“, kommentierte Michele Casamonti von Tornabuoni Art. Aber weiterhin würden private Unternehmen im Kulturbereich an ihrer Entwicklung gehindert: „Tatsächlich ersticken wir einen Sektor, den alle als lebenswichtig bezeichnen.“

Die Wut rührt daher, dass die kulturelle Arbeit der Branche nicht anerkannt wird. Galerien seien keine einfachen Handelsunternehmen. Kunst sei kein Luxusgut. So der Tenor. Die Gefahr bestehe auch darin, dass die ausbleibende Steuerreduzierung den Schwarzmarkt befeuere. Eine Senkung der Mehrwertsteuer könne dagegen paradoxerweise die Steuereinnahmen sogar erhöhen, da die Steuerhinterziehung auf diese Weise zurückgehen könne.

Einige Tage nach der Messe in Bologna scheint sich die Regierung zu bewegen. Federico Mollicone, ihr Vorsitzender im Kulturkomitee in der Abgeordnetenkammer in Rom, erklärte, dass eine Reform der Steuergesetzgebung kommen werde. Man habe sie nur aus zeitlichen Gründen nicht in das letzte Dekret aufnehmen können. Für den italienischen Kunsthandel heißt das also: weiter warten!

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