Ein „handgemaltes“ Ölgemälde von Banksy hat Sotheby’s unter den Hammer gebracht. Das war dem Auktionshaus wichtig vorab zu erwähnen, so als ob es ein besonderer Qualitätsbeweis sei. Immerhin schreiben wir das Jahr 2025, und die zeitgenössische Kunst hat sich bekanntlich vom Manufakturwesen längst befreit.
Und Banksy wird als sogenannter „Street Artist“ eigentlich für andere Qualitäten gerühmt: Er hinterlässt meistens mit Schablonen gesprühte Bilder im öffentlichen Raum. Übt Gesellschaftskritik. Begeistert vor allem das kunstferne Publikum. Macht ein großes Geheimnis um seine Person und bleibt seit Jahrzehnten anonym. Landet aber alle paar Jahre einen PR-Coup.
Einer der größten gelang ihm mithilfe von Sotheby’s. Im Jahr 2018 versteigerte das Unternehmen ein Bild von Banksy, das sich mithilfe eines im Rahmen eingebauten Schredders selbst in Streifen zerschnitt. Man kann sich also auf einiges gefasst machen, wenn ein Banksy versteigert wird. Im Fall des handgemalten – ob es Banksys Hand war, verrät das Auktionshaus nicht – Gemäldes war eine spektakuläre Aktion aber nicht zu erwarten.
Dennoch war der Banksy ein Höhepunkt der Abendauktion moderner und zeitgenössischer Kunst am 4. März 2025 in London. Das lag nicht nur am Big Name des Künstlers. Interessant macht das Bild auch seine Provenienz. Eingeliefert wurde es von Mark Hoppus, dem Bassisten, Sänger und Songwriter der amerikanischen Punk-Pop-Band Blink-182. Gekauft hatten er und seine Frau Skye das Bild 2011, jetzt wollten sie es laut Sotheby’s verkaufen, um die eigene Sammlung um Werke einer „jüngeren Generation“ zu erweitern.
Dank des Verkaufs könnten sie „viel mehr Künstler fördern“, so Hoppus: „I want to be a f***ing Medici.“ Gleichzeitig wollte er mit dem Erlös ein Kinderkrankenhaus in Los Angeles und ein Krebsforschungsprogramm unterstützen. Hoppus war vor vier Jahren eine Krebserkrankung diagnostiziert worden, die er besiegen konnte. Ein Teil des Versteigerungserlöses soll nach den Bränden in Los Angeles auch an die California Fire Foundation gehen.
Banksys Bild traute der kunstaffine Punk offenbar ein gutes Verkaufsergebnis zu. Das Werk gehört zu einer Serie namens „Crude Oil Paintings“ (Geschmacklose Ölgemälde). Tatsächlich erfüllt es mit seinem plakativen Realismus und dem kitschigen Goldrahmen alle Charakteristika eines Schinkens. Einen doppelten Boden hat das Bild aber trotzdem: Banksy hat für seine Serie populäre Kunstwerke kopiert und verändert.
So gibt es ein verwelktes Exemplar Sonnenblumen à la Vincent van Gogh und einen satirischen Angriff auf Edward Hoppers „Night Hawks“-Bar. Für „Crude Oil (Vettriano)“ hat Banksy das Bild „The Singing Butler“ von Jack Vettriano um ein bisschen Umweltaktivismus ergänzt. Dessen am Strand tanzendem Paar fügte er zwei Arbeiter hinzu, die ein Giftfass schleppen, und einen havarierten Tanker am Horizont.
Der 1951 als Jack Hoggan geborene Schotte Vettriano war Autodidakt. Der gelernte Bergarbeiter begann zunächst die Bilder berühmter Maler zu kopieren. Unter dem Pseudonym Jack Vettriano und mit eigenen Bildern machte er Karriere – und wurde von der Kunstkritik beharrlich ignoriert bis geschmäht. Vettriano starb am 1. März 2025 in Nizza. Sein Gemälde „The Singing Butler“ war eines der populärsten und am meisten vervielfältigten Kunstwerke in Großbritannien. Und es hat selbst einen Auktionserfolg verbucht: Das Original wurde 2004 für rund 750.000 Pfund versteigert.
Die Banksy-Kopie hatte Sotheby’s auf drei bis fünf Millionen Pfund geschätzt. Jetzt ist im Rahmen dieser Taxe für 4,3 Millionen Pfund (rund 5,2 Millionen Euro) versteigert worden.
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