Es scheint, auf den ersten Blick, eine Drehung um 180 Grad. Sängerin Gwen Stefani lobt Anfang März auf X (ehemals Twitter) ein Interview des rechten Kommentators Tucker Carlson mit dem Schauspieler Jonathan Roumie.
"Was für ein erhellendes, intelligentes, schönes Interview. Danke, dass du du bist. gx", schreibt Stefani. Carlson, ehemaliger Moderator bei Fox News, ist für seine rassistischen und frauenfeindlichen Ansichten bekannt. Fans interpretierten den Tweet nun als mögliche Unterstützung rechter Ideologien.
Dabei galt Stefani eigentlich als Demokratin. Sie organisierte 2012 in ihrem Haus eine Spendenaktion mit der damaligen First Lady Michelle Obama. Beim "Family Day" mit Ballonkünstlern und Kinderschminken kam eine halbe Million Dollar für die Wiederwahlkampagne von Präsident Barack Obama zusammen. Noch 2016 trat Stefani beim letzten Staatsdinner der Obamas im Weißen Haus auf – und scherzte, ganz vertraut, mit dem Präsidenten auf der Bühne.
Was ist mit Gwen Stefani los?
Das alles könnte ein großes Missverständnis sein. Stefani war eine der ersten erfolgreichen Band-Frontfrauen in den 1990er- und 2000er-Jahren. Sie trug freizügige Outfits, sang auch über Geschlechtergerechtigkeit. In "Just a Girl" singt Stefani etwa ironisch darüber, wie sie als Frau kontrolliert und unterschätzt wird: "I'm just a girl, all pretty and petite, So don't let me have any rights."

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Dass ihr Song eine feministische Hymne werden würde, habe sie damals nicht erwartet. "Ich bin wirklich nicht der Typ Mensch, der ein großer Feminist ist", sagte sie 1995 gegenüber "Billboard". "Ich bin eher ein altmodisches Mädchen, ein echtes Girlie-Mädchen." Sie habe damals nicht einmal gewusst, was eine Feministin sei, erklärt Stefani später. "Durch seine Sexualität bekommt man eine Art von Macht, ist aber auch irgendwie verletzlich. Darüber wollte ich einfach einen Song schreiben."
In der öffentlichen Kritik stand Stefani schon oft. Immer wieder wurde ihr vorgeworfen, Symbole und Traditionen anderer Kulturen nicht genug zu respektieren. So trug sie afrikanische Bantu-Knoten in den Haaren, das hinduistische Bindi auf der Stirn und paradierte in ihrer "Harajuku Girls"-Ära mit vier japanischen Tänzerinnen in stereotypisierten Outfits über rote Teppiche. "Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der es nicht so viele Regeln gab. Wir mussten nicht einem Narrativ folgen, das durch die sozialen Medien für uns aufbereitet wurde, wir hatten einfach viel mehr Freiheit", erklärt Stefani in einem Porträt für das Magazin "Paper".
Gwen Stefani ist nicht zu fassen
Dass ihre Äußerungen Verwirrung stiften, ist nicht neu. Stefani wuchs im konservativen Orange County auf, in einer streng katholischen Familie, die sogar gemeinsam den Vatikan besuchte. Im Jahr 1995 ist sie eingeladen, ein Konzert zugunsten der Organisation Planned Parenthood zu geben, das in den USA zu Abtreibungen berät. Stefani sagt zu. Zum Entsetzen der Veranstalter verkündet sie aber auf der Bühne: "Wenn ich jetzt schwanger wäre, würde ich nicht abtreiben!"
In den 2000er Jahren betonte sie in Interviews, wie sehr sie sich eine traditionelle Familie wünsche. Sie halte nichts von Sex vor der Ehe, sagte sie damals. Sie möge nun einmal "all diese traditionellen Dinge" und werde sie nicht verleugnen, sagte Stefani. Mittlerweile hat sie zwei Söhne, die ganz unkonservativ auch schonmal Nagellack in der Öffentlichkeit tragen. "Ich wäre gesegnet, wenn ich einen schwulen Sohn hätte", erklärte sie 2016 einem queeren Magazin. "Ich möchte, dass meine Jungs glücklich und gesund sind, und bitte Gott, mich jeden Tag zu leiten."

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Zu ihrem Glauben äußert sich Stefani gern. Sie beteiligte sich an Werbekampagnen für die christliche Gebets-App "Hallow" und lud ihre Anhänger ein, an einer 40-tägigen Gebetschallenge während der Fastenzeit teilzunehmen. Hallow ist eine der größten Plattformen für christliche Gebete und Meditationen. Zu den Investoren gehören der Unternehmer Peter Thiel und US-Vizepräsident J.D. Vance.
Seit 2021 ist Stefani mit dem Country-Sänger Blake Shelton verheiratet. Der für seine konservativen Haltungen und eine Reihe kontroverser Tweets bekannt ist und als Trump-Unterstützer gilt. Immer wieder gibt es Spekulationen, die Beziehung habe auch Einfluss auf Stefanis politische Haltung gehabt. Das Magazin "Paper" spricht Stefani 2021 auch darauf an. Auf die Frage, ob sie jetzt Republikanerin sei, antwortet Stefani, wie immer, nur vage. "Ich kann verstehen, dass die Leute neugierig sind, aber ich denke, es ist ziemlich offensichtlich, wer ich bin."
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