Als die Philosophin Kathleen Stock im Jahr 2021 von ihrer Professur an der britischen Universität von Sussex zurücktrat, schien es, als sei hier ein weiterer Präzedenzfall für die Übermacht „woker“ Positionen an europäischen Universitäten entstanden. Stock, die sich in ihrer philosophischen Arbeit unter anderem mit Geschlechterthemen beschäftigt, ist – grob gesagt – der Meinung, dass man sein biologisches Geschlecht nicht ändern könne und hat sich an verschiedener Stelle auch politisch gegen „Selbstbestimmung“ eingesetzt,
Dafür war sie über einen längeren Zeitraum hinweg von Transaktivisten kritisiert worden, es hatte Proteste gegen sie gegeben, bei denen ihr Rücktritt gefordert worden war. Stock hatte im Herbst 2021 schließlich aufgegeben – nachdem sie eine Panikattacke erlitten habe, wie sie sagte, verkündete sie auf Twitter, dass sie ihre Professur aufgebe. Einige der Aktivisten bekundeten darüber Freude.
Jetzt, fast vier Jahre später, wurde die Universität von der Hochschul-Aufsichtsbehörde „Office for students“ zu einer Geldstrafe in Höhe von 585.000 britischer Pfund verurteilt – der Vorwurf lautet, die Universität habe damals nicht genug „Anstrengungen“ unternommen, die Meinungsfreiheit „aufrechtzuerhalten“.
Die Behörde bezieht sich dabei auf ein Statement der Universitätsleitung, man wolle Transmenschen positiv „repräsentieren“ und „transphober Propaganda“ keinen Raum geben. Folgt man der Argumentation des „Office for Students“, so können die beiden Aussagen dazu beitragen, dass Menschen sich selbst zensieren.
Der Fall ist deswegen hochinteressant, weil er sich in die neu entbrannten Kulturkämpfe um Hochschulen insbesondere im englischsprachigen Raum einreiht. Arif Ahmed, Leiter des „Office for Students“, beteuert, den Fall sorgfältig geprüft zu haben – Universitätsangestellte hätten sich in ihrer Meinungsäußerung eingeschränkt gefühlt, Kathleen Stock selbst habe aufgrund der Proteste ihre Unterrichtsinhalte angepasst.
Das „OfS“ wurde eigens geschaffen, um zu gewährleisten, dass die Meinungsfreiheit an britischen Universitäten aufrechterhalten wird. Der ehemalige britische Premierminister Rishi Sunak hatte bekundet, mit der Ernennung Ahmeds dem „Woke-Wahnsinn“ ein „Ende bereiten“ zu wollen.
Die Behörde ist erst seit Januar befugt, derartige Klagen wie jetzt im Fall von Stock zu erheben, die Befugnisse des „OfS“ sind in dieser Form einmalig in Europa. Die Universität verwahrte sich indessen gegen die „kafkaeske Ermittlung“ und beteuerte, stets an der Seite ihrer Professorin gestanden zu haben.
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