- Wir sind in Shanghai in einem vollvernetzten Elektroauto mitgefahren. Während Sprachassistenten für Unterhaltung sorgen, kann Fahrer Luo sich auf den Verkehr konzentrieren.
- Chinesische Hersteller bauen günstige Kleinwagen aber auch hochpreisige Luxusmodelle mit Rückbank-Kino und Kühlschrank.
- Ein Problem ist der fehlende Datenschutz: Die Hersteller müssen die Daten ihrer Kunden und Nutzer mit den Behörden teilen.
Im Auto von Luo Guangyu: Der 49-jährige IT-Manager aus Shanghai fährt einen elektrischen SUV der Marke Nio. Die KI-gestützte Sprachassistentin "Nomi" erkennt sofort, dass die Reporterin auf dem Beifahrersitz nicht zur Familie gehört. Nomi bittet darum, das Gesicht in der zum Auto gehörenden App speichern zu dürfen. Die Fahrt durch Shanghai im vollvernetzten E-Auto beginnt.
Sprachassistent sorgt für sicheres Fahren
Nomi sitzt als kleines rundes Gerät, das optisch wie ein Wecker mit Display aussieht, mittig auf dem Cockpit. Bei der Begrüßung winkt Nomis kleine Hand auf dem Screen. Zwei Augen, wie die eines Smileys, suchen Kontakt. Nomi dreht sich in die Richtung der Person, die gerade spricht. Wenn Luo Guangyu Musik anmachen möchte, muss er keine Knöpfe oder Touchscreens bedienen.
Nomi reagiert auf Sprachbefehle und spielt die gewünschte Musik. Manchmal, so Luo Guangyu, nutzt er die Karaoke-Funktion, wenn er allein fährt. Das sei eine schöne Art, Gefühle auszudrücken, meint der Familienvater. Sicherheit sei ihm sehr wichtig. Deswegen schaut er keine Filme oder spielt Videospiele während der Fahrt – auch wenn das Auto das eigentlich zuließe.
Autonomes Fahren ist optional
Die wichtigste Eigenschaft seines Smart Cars ist für Luo Guangyu die Sprachsteuerung über Nomi. Denn so, erklärt er, könne er die Hände am Lenkrad lassen. Das sei sicher und bequem. Sicherheit und Bequemlichkeit sind zwei zentrale Themen für Chinas Autobauer. Auf Luos Smartphone ist die Messenger-App WeChat installiert. Wenn Luo fährt, schickt er über Nomi gern WeChat-Nachrichten oder seinen Standort an Freunde, die er abholt.
Natürlich kann der E-SUV auch autonom fahren. Das nutzt Luo Guangyu selten. Aber bei engen Parklücken lässt er das Auto gern allein rangieren und steigt vorher aus. Beim Ausparken dann dasselbe: Das Auto fährt allein aus der Lücke und dann steigt Luo ein. Und wenn er mag, schaltet er den Massagesitz ein. Einen Kühlschrank hat sein Nio nicht. Dafür hätte er auf den Kaufpreis vom umgerechnet rund 45.000 Euro noch etwas mehr drauflegen müssen.
Huawei baut auch Luxusautos
Ein Kühlschrank mit Platz für etwas mehr als zwei kleine Getränke findet sich hingegen eingelassen in die Rückbank eines Stelato S9. Das ist ein Luxusmodell, mit der der chinesische Mobilfunkkonzern Huawei in den Automarkt vorstößt. Diesen Wagen gibt es ab umgerechnet 52.000 Euro in China zu kaufen. Hier lässt sich für die Passagiere auf der Rückbank eine Leinwand herunterlassen. Das Kinoerlebnis kann beginnen.
Einfachere, aber trotzdem smarte E-Autos gibt es in China schon ab umgerechnet gut 10.000 Euro. Allerdings sind Löhne und Gehälter in China auf viel niedrigerem Niveau als etwa in Deutschland. Preis, Komfort und Smartheit seien vor allem für die Jüngeren Kaufanreize, schildert der 28-jährige Luo Xu, den wir auf der Straße befragt haben. Und da hätten chinesische Firmen die Nase eindeutig vorn. Klar, sagt er, hätten deutsche Marken wie Mercedes oder BMW tolle Soundsysteme und sehr bequeme Sitze. Aber Preise von umgerechnet 77.000 Euro seien einfach zu hoch.
Der Nachteil ist der fehlende Datenschutz
Der günstige Preis hat aber auch Nachteile. In China sind alle Unternehmen verpflichtet, ihre Daten offenzulegen und mit den staatlichen Behörden und Geheimdiensten zu kooperieren. Daten, die in den vernetzten Autos gesammelt werden, können also schnell beim Staat landen.
Die USA haben diese Tatsache als Risiko für die nationale Sicherheit definiert und noch unter Präsident Joe Biden Anfang des Jahres die Einfuhr vernetzter Autos aus China komplett verboten. Auch in Deutschland gibt es erste Sicherheitsbedenken. Besonders vor dem Hintergrund, dass chinesische Autobauer immer stärker auf den europäischen und deutschen Markt vorstoßen. 2024 waren elf Prozent der in Deutschland neu zugelassenen E-Autos chinesische Fabrikate.
Der chinesische Huawei-Konzern steht derzeit im Verdacht, Abgeordnete des EU-Parlaments bestochen zu haben. Die belgischen Behörden ermitteln wegen einer "kriminellen Organisation", die seit 2021 "unter dem Deckmantel geschäftlichen Lobbyings" tätig gewesen sein soll. Vergangenes Jahr hatte die Bundesregierung beschlossen, kritische Komponenten chinesischer Hersteller aus dem deutschen Mobilfunknetz zu verbannen.
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