Am Rande der Oscars sorgte Halle Berrys Kuss mit Adrien Brody für Aufsehen: Es war die späte Rache für eine Übergriffigkeit, für die es nie eine Entschuldigung gab.

Der rote Teppich der Oscar-Verleihung 2025 in Los Angeles ist gerade im vollen Gang, der spätere Gewinner Adrien Brody gibt ein Interview. Da kommt plötzlich Halle Berry mit weit ausgebreiteten Armen auf ihn zu, umarmt ihn  - und drückt ihm ungefragt einen Kuss auf den Mund. Spontan. Einfach so. Gegen seinen Willen. Es ist eine kleine Rache-Aktion, die zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt kommt.

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Denn vor knapp zwei Wochen ist in Spanien ein Aufsehen erregendes Urteil gefällt worden: Der frühere Fußball-Verbandschef Luis Rubiales wurde zu einer Geldstrafe von über 10.000 Euro verdonnert, weil er nach dem Sieg der Frauen-Nationalmannschaft die Spielerin Jennifer Hermoso auf den Mund küsste. Spontan. Einfach so. Gegen ihren Willen. Laut spanischem Recht war das ein sexueller Übergriff und damit strafbar. Rubiales versuchte bis zuletzt, die Sache herunter zu spielen, zierte sich wochenlang, bevor er letztlich auf öffentlichen Druck hin zurücktrat. 

Das Urteil sorgte auch deshalb für Schlagzeilen, weil die Fußballerin etwas tat, was die meisten Frauen nicht tun: Sie lächelte den Vorfall nicht weg, sondern benannte die Übergriffigkeit. Und weil die Szene sich überall auf der Welt, in jeder Branche genau so hätte abspielen können. Oder sich bereits so abgespielt hat, etwa in Hollywood.

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Die Oscars verharmlosen den Kuss bis heute

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Los Angeles im Jahr 2003: Gerade hat Adrien Brody den Oscar als bester Hauptdarsteller für "Der Pianist" gewonnen, soll die Trophäe von Halle Berry überreicht bekommen. Da greift er nach der Schauspielerin und drückt ihr ungefragt einen langen Kuss auf den Mund. Spontan. Einfach so. Gegen ihren Willen. "Was zu Hölle passiert gerade?", habe die geschockte Halle Berry dabei gedacht, wie sie später erzählte. Der Kuss sei nicht geplant gewesen, sie habe davon nichts gewusst. Trotzdem reagierte sie auf der Bühne cool und tat das, was fast alle Frauen tun, wenn mächtige und erfolgreiche Männer denken, sie hätten ein Recht auf einen Frauenkörper: Sie lächelte die Übergriffigkeit weg.

Auf Youtube bezeichnet die Academy den Vorfall später als einen "Lieblings-Oscar-Moment" und auch, wenn es in den vergangenen Jahren immer mal wieder kritische Stimmen zu dem ungebetenen Kuss gab: Adrien Brody hat sich bis heute nicht dafür entschuldigt. Noch in diesem Jahr sagte er darauf angesprochen lediglich: "Nichts was ich tue oder getan habe oder jemals tun werde, tue ich mit der Absicht, dass sich jemand danach schlecht fühlt." 

22 Jahre und eine #Metoo-Bewegung später hat sich Halle Berry nun also bei der diesjährigen Oscar-Verleihung revanchiert. Die internationalen Schlagzeilen dazu zeichnen das Bild einer lustigen Racheaktion, so wie es Berry auch selbst kolportiert. "Ich musste es ihm einfach zurückzahlen", sagte sie lachend und betonte, Brodys Freundin Georgina Chapman, die Ex-Frau von Harvey Weinstein, habe der Aktion zugestimmt. Wieder ist der sexuelle Übergriff eine charmante Randnotiz, sendet die absurde Botschaft, dass ein ungebetener Kuss eben manchmal dazugehöre. 

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Sie war die überraschendste Siegerin des Abends: US-Schauspielerin Mikey Madison ist für ihre Rolle in "Anora" mit dem Oscar als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet worden. Damit stach die 25-Jährige unter anderem Demi Moore aus, die viele als Oscar-Preisträgerin auf dem Zettel hatten. Nach der Verleihung feiern die Stars auf verschiedenen Veranstaltungen weiter. Madison ließ sich im schwarzen Kleid und mit Oscar in der Hand bei der Party der Zeitschrift "Vanity Fair" blicken © Doug Peters
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Dabei hätte es beide Küsse nie geben dürfen. Der Oscar-Kuss vom Sonntag ist im Grunde ebenso traurig mit anzusehen wie der vor 22 Jahren: Damals blieb Berry kaum eine andere Wahl, als geschmeidig den Vorfall wegzulächeln. Heute macht sie noch immer lieber einen Scherz daraus.

Denn alles andere kann für Frauen gefährlich werden. Luis Rubiales darf sich Jennifer Hermoso nur noch bis auf 200 Metern nähern und sie ein Jahr lang nicht kontaktieren. Er kündigte bereits an, in Berufung gehen zu wollen.

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