Wenige Tage vor der Leipziger Buchmesse ist das eine Nachricht. Wie zuerst der Deutschlandfunk berichtete, plant die Dresdner Buchhändlerin Susanne Dagen für den Herbst 2025 eine eigene Buchmesse. Unter dem Label „Seitenwechsel“ soll im November auf dem Messegelände in Halle (an der Saale) ein Wochenende im Zeichen der „BücherMesse“ stehen.

Die Selbstbeschreibung als „Fest für freies Denken und perspektivisches Sehen“ mag raunend klingen, ist aber nicht zu verstehen ohne die Rangeleien um die Meinungsfreiheit, die den Reigen der großen Buchmessen in Frankfurt und Leipzig seit Jahren begleitet. Dort hatte es seit 2017 immer wieder Ärger um die Teilnahme rechter Verlage gegeben, auch wüste Antifa-Proteste. Daraufhin mussten die Buchmessen mit neuen Sicherheitskonzepten reagieren: Rechte Verlage als Aussteller wurden zunehmend abseitig und isoliert platziert, um eventuelle Protestaktionen gegen sie besser in den Griff zu bekommen.

Journalisten wurden von ihren Redaktionen wie Reporter vors Zoogehege entsandt, um die rechten Stände zu inspizieren – und damit welchen Nachrichtenwert zu produzieren? Dass es diesmal ruhig blieb? Oder dass die Antifa wieder ihren Brüllerfolg feiern durfte?

Wo immer Messebühnen für und mit Veranstaltungen der Neuen Rechten gebucht waren, wurden sie von Protesten gestört. Es dürfe keine Normalisierung geben, hieß es dann trotzig vonseiten derjenigen, die die Definitionshoheit dessen, was als normal zu gelten hat, gern exklusiv für sich gepachtet wissen. Das selbstgerechte Gebaren, die zuletzt kaum mehr reale Präsenz rechter Verlage als skandalös oder störend zu empfinden, ebbte nicht ab. Auch Aussteller organisierten sich, „Verlage gegen rechts“ wurde zur Label-Kollektion mit Logos, Stickern und Plakaten – so gefiel und gefällt sich ein vorherrschend linker Literaturbetrieb darin, die eigene Haltung auszustellen. In Wahrheit exekutiert sich die autoritäre Hegemonie einer linken Gesinnung. „Rechts“ wurde zum Buzzword für alles, was als konservativ, reaktionär, nationalistisch, manchmal aber auch nur als Mehrheitswille der Bevölkerung – Migrationskontrolle oder Skepsis gegen Gendersprache – nicht ins eigene Weltbild passt.

In einer freien Gesellschaft sollten Verlage, die verfassungsrechtlich nicht verboten sind, jedweder Couleur auf jeder Buchmesse stattfinden dürfen. Sie werden sich aber nicht jedes Umfeld antun wollen. Da ein Messeauftritt in den vergangenen Jahren offenbar nicht mehr ungestört möglich und – wie der Deutschlandfunk die Buchhändlerin Susanne Dagen zitiert – auch nicht mehr attraktiv war, erscheint es jetzt nur konsequent, dass die Rechten sich eigenständig organisieren. Zumal die Szene sich in den letzten Jahren publizistisch und verlegerisch erheblich diversifiziert hat. Und der rechte Literaturbetrieb inhaltlich offenbar so gehaltvoll ist, dass er von linken Publizisten wie Volker Weiß und Literaturwissenschaftlern wie Torsten Hoffmann seit Jahren studiert und analysiert wird, in Stuttgart sogar mit einem DFG-Projekt.

Egal, wie man dazu steht: Gelesen und studiert wird im Bücherreich der Neuen Rechten. Waren „die wilden Jahre des Lesens“ (Ulrich Raulff) in den Jahrzehnten nach 1968 mal links konnotiert, ist die Rebellion durch Lektüre seit den 2010er-Jahren nach rechts abgewandert. Wie gering die Bereitschaft in vielen tonangebenden linken, postkolonialen (und leider oft antisemitischen) Kreisen ist, sich überhaupt noch auf Differenzierung, Dialog und das Hinterfragen eigener Positionen (alles Beifang von Buchlektüre) einzulassen, ist in den universitären Entwicklungen leider weltweit zu sehen.

Dass die großen Buchmessen mit Blick auf den politischen Diskurs etwas erschöpft sind, zumindest in ihren offiziellen Veranstaltungsakten, wurde zuletzt auch darin deutlich, wie sie – um plakative Bilder für Social Media zu produzieren? – inzwischen kollektiv Haltung ausstellen. Choreografiert Schilder im Saal für oder gegen etwas hochzuhalten, hat im Vorjahr viele unangenehm an die Sozialistische Einheitspartei erinnert. Es wird im November 2025 spannend sein, welche und wie viele Aussteller und Besucher sich in Halle einfinden. Warum denn keine rechte Buchmesse? Sollte es vor dem Veranstaltungsgelände Proteste geben, wird man sich drinnen mutmaßlich groß fühlen. Aufgeklärte Leser werden und können von ganz allein genau hinschauen, welche Substanz und Relevanz eine solche Buchmesse hat.

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