So schnell ist Jauch noch nie vom Stuhl gesprungen. Was für eine Abinote hat ihm der Zuschauer mit dem zu kurzen Hemd unterstellt? Für Oma Erna gibt es zwar Grund zur Freude. Besserwisser-Kunden der katholischen Kirche werden allerdings abgestraft.
Auch Günther Jauchs Geduld kennt ihre Grenzen. Am Montagabend war es scheinbar so weit. Ein vorwitziger Zuschauer hatte es gewagt, dem Moderator eine Abiturnote von 3,4 zu attestieren. "Verleumdung!", rief Jauch und schnellte so flink wie nie von seinem Sitz empor. "Mit dieser Gräuelpropaganda räume ich mal endgültig auf." Fans von "Wer wird Millionär?" wissen: Die Empörung war gespielt, teilweise.
Denn schon 2016 hatte Jauch in der RTL-Quizshow verraten, mit welcher Note er einst das Gymnasium verlassen hat. "Ich hatte einen Abiturdurchschnitt von...", sagte Jauch am Montagabend und riss die Arme hoch: "3,1!" Der vorwitzige Zusatzjoker legte nach: "Das ist ja auch nicht viel besser." Jauch schmunzelte "Ich wollte nur präzise sein", konnte aber angesichts des Berufs des Zuschauers sogleich zum Gegenschlag ausholen. "Schauspieler - ja, das merkt man", meinte Jauch und hatte auch gleich einen Vorschlag, wie sein Gegenspieler den 500-Euro-Gewinn anlegen sollte: "Kann er sich ein neues XXL-Hemd kaufen."
Jauch grüßt Oma
Sollte es doch mal ein Zusatzjoker-Spezial bei "Wer wird Millionär?" geben, könnte ein Wiedersehen für den Helfer lukrativ werden. Er konnte jedenfalls die 16.000-Euro-Frage korrekt beantworten: Die steinernen Wasserspeier im Disney-Film "Der Glöckner von Notre-Dame" heißen "Victor" und "Hugo", nach dem Autor der literarischen Vorlage. Kandidatin Natalie Böhner aus Nürnberg hatte hingegen auf "Jules" und "Verne" getippt.
Die Krankenkassenfachwirtin schaut seit 25 Jahren mit ihrer Oma Erna jede Woche "Wer wird Millionär?". Zwar konnte die 92-Jährige leider nicht mehr die Reise ins Studio antreten. Dafür bekam sie von Jauch einen lieben Gruß geschickt. "Vielen Dank für 25 Jahre Treue und jetzt bin ich noch mal motiviert bei jedem Montag, bei dem ich weiß, dass Sie auch wieder zuschauen", sagte der Moderator und winkte in die Kamera.
Während sich Böhner über 16.000 Euro freute, ging ihr Nachfolger David Rieck mit einem ungenutzten Joker nach Hause. Jauch hatte noch versucht, den Marketingabteilungsleiter zu warnen. Der hatte sich bei 64.000 Euro unvermittelt auf die katholische Kirche eingeschossen, als Jauch nach einem Universaldienstleister fragte. Gesucht wurde die Deutsche Post. Als Rieck bei der katholischen Kirche über deren Angebote bei der Pflege sinnierte, wollte der Moderator mit dem Hinweise "Also Telefonjoker?" helfen - aber blitzte ab.
"Moment, wollen Sie mir den jetzt unterjubeln", verkannte Rieck Jauchs Motiv und verkündete ohne weiteres Zögern: "Ich nehme D, katholische Kirche." Weiteres Geplänkel stand da außer Frage, denn die mitgereiste Schwester des Kandidaten schnappte im Publikum entsetzt und hörbar nach Luft. "Das ging schnell", konnte Jauch da nur noch festhalten und die schlechte Nachricht überbringen.
Kandidatin strapaziert Jauchs Nerven
Realistisch blieb Jauch auch bei Melisa Topkaya. "Ich glaube, vom Ergebnis her können wir uns nicht so beschweren", bilanzierte er zu Beginn dieser Ausgabe von "Wer wird Millionär?" und atmete einmal tief durch, nachdem die Überhangkandidatin aus dem Studio gewirbelt war. Die Juristin von der Bundesagentur für Arbeit machte so weiter, wie sie vergangenen Montag aufgehört hatte: kichernd und mit einem Hang zur chronischen Beschwerde. "Sie sind aber auch leicht unglücklich zu machen", tadelte Jauch milde, als sich die Kandidatin ob des mageren Angebots an Zusatzjokern grämte.
Dabei durfte Topkaya, die den Louvre mit dem Pariser Kaufhaus Galeries Lafayette verwechselt hatte, im Nachhinein dankbar sein, dass überhaupt ein Zusatzjoker aufgestanden war. Zugegeben: Der Herr vom ambulanten Pflegedienst klang nicht sonderlich überzeugend, als er dafür votierte, dass der Museumskäfer in Sammlungen sein Unwesen treibt und nicht etwa Galeriefalter, Depotmotten oder Archivraupen. Er bestärkte aber Topkayas ursprüngliche Vermutung, verhalf der Kandidatin am Ende zu immerhin 16.000 Euro und brachte später in der Sendung auch den Absturzkandidaten David Rieck eine Runde weiter.
Zum Besserwisser-Sieger des Abends wurde der zweite Kandidat, Jan Conrads. Der Klugscheißer verbessert gern falsche Grammatik und Redewendungen, wie seine Freundin verriet. Das gab Jauch umgehend zurück, als der Doktorand der Wirtschaftswissenschaften das Wort "Argumentierung" verwendete. Der Bonner konterte: "Es ist ja keine schöne Charaktereigenschaft, Leute zu korrigieren." Er tue das mittlerweile "nur" noch bei seiner Partnerin.
1000 Mark für Salat
Für einen kurzen Augenblick fragte sich Jauch, warum Conrads überhaupt auf einen Geldgewinn von RTL angewiesen ist. Der hatte in der Grundschule kein Gemüse gegessen. Daraufhin habe ihm seine Mutter 1000 D-Mark angeboten, sollte er nur ein einziges Salatblatt zu sich nehmen, erzählte der Kandidat. Er sei hart geblieben. Jauch interessierte etwas ganz anderes: "Aus welchem Millionärshaushalt entstammen Sie ursprünglich?"
Auch Conrads hatte Glück mit seinem Zusatzjoker. Der Herr aus Dresden wusste, dass das sächsische Zschopau auf ihren Ortseingangsschildern den Zusatz "Motorradstadt" trägt. Dann wurde der Kandidat auch noch mit der leichtesten 64.000-Euro-Frage seit langem belohnt. Er konnte sofort sagen, dass WikiLeaks-Gründer Julian Assange nicht aus Luxemburg oder Südafrika stammt, sondern Australier ist.
"Und schon sind wir nach einiger Zeit wieder bei 125.000 Euro", verkündete Jauch. Doch Conrads musste passen. Auch seine Mutter als Telefonjoker wusste nicht, dass es Korkenzieher mit "Seele" gibt. Gemeint ist ein kleiner Freiraum unter der Spirale. Das sorge dafür, dass problematische Korken nicht so schnell bröseln, erklärte der Winzer Jauch. Durch Riecks Absturz startet die nächste Folge mal wieder frisch mit neuen Kandidaten.
Wer nicht bis nächste Woche darauf warten will: Auf RTL+ steht die neue "Wer wird Millionär?"-Folge bereits sieben Tage vor TV-Ausstrahlung zum Streamen bereit.
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