Peter Bichsel war ein Wenigschreiber. Sein Werk umfasst nur eine kleine Anzahl von Kurz- und Kürzestgeschichten, Essays, Aufsätzen und Reden, ein Band mit Kindergeschichten und einige Sammelbänden mit den Kolumnen.

Dazu gibt es einen Roman aus früher Zeit und einen späten Band mit Gesprächen. Aber trotz des wenig umfangreichen Werkes gehört Peter Bichsel seit Jahrzehnten zu den bedeutendsten Vertretern der Schweizer Literatur.

Schönheit des Schnörkellosen

Seinen Durchbruch schaffte Bichsel mit 29 Jahren. Man schrieb das Jahr 1964, als er sein nur 50 Seiten umfassende Bändchen «Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen» veröffentlichte.

Die 21 Kürzestgeschichten brachten ihm dank des lakonischen Tons und schnörkellosen Stil auf Anhieb Lob und Aufnahme in die «Gruppe 47» ein, die ihm ein Jahr später auch gleich noch den «Preis der Gruppe 47» verlieh.

1969 folgten dann die «Kindergeschichten», die ebenso erfolgreich waren und mittlerweile genauso zum Kanon der deutschsprachigen Literatur gehören wie die Kürzestgeschichten.

Legende: Für einen Wenigschreiber schrieb er viel: Peter Bichsel 1975 zuhause im solothurnischen Zuchwil. Keystone / Hans Schlegel

Zwischen den Stühlen, aber auf der Höhe der Zeit

Kernstück von Bichsels literarischem Schaffens sind aber die Kolumnen, die er ab 1968 für die «Weltwoche», das «Tages-Anzeiger-Magazin», die «Schweizer Illustrierte» und die «Luzerner Neuesten Nachrichten» schrieb. Sie wurden seit 1975 in mehreren Sammelbänder auch in Buchform veröffentlicht.

Darin zeigte Bichsel sich als das, was er vor allem war: als leidenschaftlicher Beobachter der Schweiz, als streitbarer Zeitgenosse und als Citoyen.

Bichsels Position war stets die zwischen den Stühlen, wie er einmal sagte. Beispielsweise im Zusammenhang mit der Studentenbewegung 1968. Später äusserte er sich zu anderen wichtigen Themen der Zeit. Der Jurakonflikt, als ganz normale WK-Soldaten plötzlich scharfe Munition bekamen, oder die systematische Aburteilung von Dienstverweigerer sind zwei Beispiele.

Bichsel, der Sozialist

Geboren wurde Peter Bichsel als Sohn eines Handwerkers in Luzern. Als er sechs Jahre alt war, zog die Familie nach Olten. In Solothurn liess er sich zum Primarlehrer ausbilden, als das er bis 1968 und dann nochmals 1973 arbeitete. 1956 heiratete er die Schauspielerin Theres Spörri. 1957 trat er in die Sozialdemokratische Partei ein und blieb dort bis 1995.

Sieben Jahre lang – von 1974 bis 1981 – war er persönlicher Berater und Redenschreiber des charismatischen, sozialdemokratischen Bundesrats Willi Ritschard, mit dem ihn auch eine tiefe Freundschaft verband. Ausserdem gehörte er zu den Mitbegründern der Gruppe Olten und der Solothurner Literaturtage.

Auch zu philosophischen und alltäglichen Problemen nahm er Stellung. Es gab zu seiner Zeit kaum einen Schweizer Autor, der mit dem eigenen Land härter ins Gericht ging als er. Bichsel, der als jüngerer Freund Max Frischs auch dessen Engagement teilte, verstand sich als Sozialist.

Sein Stuhl bleibt leer

Nun ist Peter Bichsel gestorben. Er hinterlässt eine riesige Lücke, nicht nur in Solothurn und dem dortigen Restaurant «Kreuz», wo man ihn oft antreffen konnte, sondern auch in der ganzen Schweiz.

Denn die hat ja nicht nur ihren beliebtesten Schriftsteller verloren, sondern auch ihren renommiertesten. Ein Wenigschreiber wie gesagt. Aber einer, der stets viel zu sagen hatte.

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