Bei Zahnpasta-Werbung im Fernsehen denkt man vielleicht an Prof. Dr. Best, der seine Bürste in eine Tomate presste. Oder an die „Zahnarztfrau“ Gudrun, die die Marke Perlweiss anpries. Oder an den Spruch „Damit Sie auch morgen noch kraftvoll zubeißen können“.
Eine neue Zahnpasta-Werbung soll jetzt „TV-Geschichte“ schreiben, teilt die Fernsehgruppe ProSiebenSat.1 mit. Zusammen mit einer Media-Agentur ist ein Werbespot für die Marke Lacalut entwickelt worden, der komplett mithilfe von künstlicher Intelligenz entstanden ist. „Emotional und fotorealistisch“, wie es heißt.
Zu sehen sind elf Szenen aus hundert Jahren, denn so lange gibt es die Zahnpasta schon. In jeder Szene stehen Menschen im Bild, die den Betrachter anlächeln, natürlich mit makellosen Zähnen.
1925 ist es eine glamouröse Perlenketten-Frau, 1935 ein Jüngling mit Schiebermütze in Schwarz-Weiß (sag keiner, dass es nicht auch dunkle Zeiten waren, aber soll das wirklich ein VW-Käfer im Hintergrund sein?), 1945 ein frisch aussehender Grauhaariger (im Hintergrund blühende Straßenbilder), 1955 eine junge Mutter mit Baby, bei der das Wirtschaftswunder offenbar schon angekommen ist (noch ein Käfer im Hintergrund). Lacalut wirkt!
Und so weiter, ein wenig divers ist die Model-Auswahl ebenfalls. Auch die beschwingte Musik und die Stimme wurden künstlich erzeugt. Botschaft: Wir lächeln über die Geschichte hinweg.
Solche Spots werden künftig häufiger zu sehen sein, schließlich spart man als Unternehmen eine Stange Geld für menschliche Models, Kameraleute, Make-up, Kleider etc. Die Werbeindustrie wird in Zukunft – nicht nur aus Kostengründen, aber vor allem darum – häufig zumindest bei Teilen der Produktion zum KI-Koffer greifen.
Und wenn man will, ist das nur konsequent: KI hilft der Werbung, das zu werden, was sie schon immer sein wollte: das idealisierte Spiegelbild einer ambitionierten Gesellschaft. Stört es, dass es gar keine echten Menschen mit echten (aufgehellten) Zähnen sind, die in die virtuelle Kamera lächeln?
Am Anfang mag es ein Störgefühl geben, doch Werbung will uns ja nur zeigen, wie das eigene Leben sein könnte. Hilft es vielleicht sogar zu wissen, dass diese tollen Vorbilder gar nicht wirklich existieren? Mindestens zweimal täglich putzen muss man natürlich schon.
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