Für die Münchner Kommissare ging es in ihrem jüngsten Fall mitten hinein in ein echtes Nato-Manöver, Batic begab sich als Komparse auf einen Truppenübungsplatz. Ein Job, den es tatsächlich gibt, bewerben kann man sich online.
Es hätte nach einer "Mission Impossible" geklungen, als Drehbuchautorin Dagmar Gabler mit der Idee auf sie zukam, so Oliver Schündler und Boris Ausserer, das "Charlie"-Produzenten-Team. Ein "Tatort", der während eines Großmanövers der US-Army auf dem Truppengelände in Hohenfels spielen sollte - eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, aber gerade dadurch natürlich auch reizvoll. Abgesehen von Dokumentationen und aktueller Berichterstattung wurde bislang kein Filmteam auf dem 1938 für das VII. Armeekorps der Wehrmacht in Betrieb genommene, 160 Quadratkilometer große Areal in der Oberpfalz zugelassen.
Nach Kriegsende war das Gelände Flüchtlingen und Heimatvertriebenen zur Verfügung gestellt worden, im August 1951 schließlich kam die Bundesrepublik der Forderung der USA nach, den in Süddeutschland stationierten Truppen das Areal als Truppenübungsplatz zu überlassen. Seit Ende der 80er-Jahre gibt es das "Combat Maneuver Training Center", 1999 begann man mit jenen Übungen, die nun die Kulisse für den "Tatort" bildeten - es werden möglichst realistische Kriegsszenarien nachgestellt, für die neben den beteiligten Truppen auch Statisten benötigt werden, die die Zivilbevölkerung spielen. Dazu gehören neben "normalen" Bürgern, Ladenbesitzern oder Ärzten eben auch Polizeibeamte.
Um die beiden Morde am Rand eines Nato-Manövers aufzuklären, hatte Kommissar Ivo Batic (Miroslav Nemec) sich in der "Tatort"-Folge mit dem Titel "Charlie" als Polizist einschleusen lassen, als "Embedded Investigator". Während Kollege Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) ganz offiziell ermittelte, dabei von Captain Miller (Yodit Tarikwa) unterstützt wurde, "spielte" Batic den Polizisten-Darsteller, um aus nächster Nähe bestenfalls zu Erkenntnissen zu kommen, wer hinter den beiden Morden steckt.
Klingt fast nach Erholungsurlaub
Die Szenerie des Schauplatzes wirkt surreal, wie eine hastig zusammen gedrechselte Filmkulisse, nach vorn Stellwände im Fassaden-Look, dahinter Behausungen aus Brettern, nur provisorisch möbliert. Batic schmeißt sich mit offenkundiger Freude in die Abwechslung vom Ermittlungsalltag. Die Komparsen-Kolleginnen und -Kollegen, die er dort trifft, gibt es tatsächlich. Auf jobwork.com finden sich Stellenangebote, bewerben können sich Personen zwischen 18 und 75 Jahren.
Gesucht werden, laut Annoncentext, "Mitarbeiter*innen, die gerne (…) "Soldat*innen aus Nato-Ländern und Nato-Partner-Ländern bei der Vorbereitung auf ihre Missionen unterstützen", die "die bayerische Flora und Fauna erleben und im wunderschönen Naturschutzgebiet des JMRC Hohenfels bei wechselnden Wetterbedingungen arbeiten möchten".
Klingt fast nach Erholungsurlaub, tatsächlich jedoch geht es, wie im "Tatort" auch zu sehen, im Rahmen des Manövers richtig zur Sache. "Sie erleben im Laufe der Militärübungen aus nächster Nähe aktive Kampfhandlungen zwischen Nato-Soldat*innen und gegnerischen Einheiten", heißt es im Anzeigentext. Frei von Kontroversen ist der Job nicht, in den 10er-Jahren recherchierte "Report Mainz" und prangerte "sittenwidrige Entlohnung und Ausbeutung an". Für die Bereitschaft rund um die Uhr ist damals von 90 Euro als Tagessatz die Rede, zurzeit werden für 10 Stunden Einsatzdauer Tagessätze von 124,10 Euro brutto gezahlt.
Von höchster Stelle genehmigt
Im Moment ist die Bewerbungsphase abgeschlossen, heißt es auf der Website. Mit Blick auf die aktuelle Lage, die USA unter Trump und die bevorstehende Neuordnung der Verteidigungspolitik Europas, dürfte sich das womöglich bald wieder ändern. Vielleicht sind dann ja auch höhere Tagessätze zu erwarten.
Dass sich Batic und Leitmayr - und mit ihnen das gesamte Filmteam - auf dem Truppenübungsgelände frei bewegen konnten, musste von höchster Stelle genehmigt werden. "Das von den Amerikanern straff organisierte Genehmigungsverfahren für die Dreharbeiten reichte bis zum US-Verteidigungsministerium", so Schündler und Ausserer. "Die ersehnte E-Mail mit der Nachricht 'Pentagon has no objections' geht sicher in die persönlichen Annalen unseres Berufslebens ein."
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