Der belgische Unternehmer Karel Govaerts hatte in den 1920er-Jahren zunächst mit Milchprodukten gehandelt, dann kamen Kaffee und andere Lebensmittel hinzu. Zur Kundenbindung ließ er sich ein Bonusprogramm einfallen. Zu jedem Einkauf gab es Wertmarken, die man sammeln und gegen Haushaltsartikel eintauschen konnte. Das Geschäft florierte auch nach dem Tod des Gründers 1962, als seine Tochter Suzanne das Unternehmen erbte und mit ihrem Ehemann Joris Onzea weiterführte.

Doch 1971 kam ein Einschnitt: Der belgische Staat verbot das Geschenksystem mit Wertmarken. Govaerts und Onzea verlegten ihren Fokus: Sie gründeten eine Kette von Einrichtungsgeschäften namens Casa, in denen die Kunden Haushaltswaren und dekorative Geschenke kaufen konnten. 1988 übernahm eine niederländische Holding.

Für die eigene Inneneinrichtung zog sich das Unternehmerehepaar einen Berater hinzu, der längst eine Legende über Belgien hinaus ist: Axel Vervoordt. Der einstige Jesuitenschüler, geboren 1947 in Antwerpen, hat eine unvergleichliche Karriere als Antiquitätenhändler, Dekorateur, Designer, Innenarchitekt, Immobilienentwickler, Galerist und Kunstsammler gemacht.

Vervoordt – auch sein Sohn Boris arbeitet als Galerist in Antwerpen – ist berühmt für seinen eklektizistischen Stil. Antike Skulpturen, buddhistisches Kunsthandwerk, amerikanischen Minimalismus, japanisches Action-Painting arrangiert er mit leichter Hand und tiefem kunsthistorischen Wissen.

Bei Suzanne Govaerts und Joris Onzea fing es 1976 mit einem Brueghel an, genauer einer „Bauernhochzeit“, die Pieter der Jüngere nach einem Bild seines Vaters, Pieter dem Älteren, gemalt hat. Dieser erste Kauf „gibt den Ton der Sammlung an“, die im Laufe von vier Jahrzehnten zusammengetragen wurde und in großen Teilen am 27. März 2025 vom Auktionshaus Christie’s in Paris versteigert werden soll.

In der Sammlung finden sich Kunstwerke aus verschiedensten Epochen und Zivilisationen: Aus der japanischen Edo-Periode des 17. bis 18. Jahrhunderts stammt ein Paravent, der die Darstellung einer malerisch gekrümmten Kiefer zeigt und nun auf 20.000 bis 30.000 Euro taxiert ist. Ein afrikanisches Kota-Reliquiar aus Gabun ist auf mindestens 80.000 Euro geschätzt.

Auch Rembrandt Bugatti begeisterte das Ehepaar Govaerts/Onzea. Der impressionistische Bildhauer hat die wohl eindrucksvollsten Tierskulpturen der Kunstgeschichte geschaffen. Fast 50 Zentimeter misst sein „Schreitender Leopard“, ein Bronzeguss in kleiner Auflage aus dem Jahr 1911. Christie’s taxiert das Muskelpaket auf 200.000 bis 300.000 Euro.

Höhepunkt der Sammlung wie der Auktion mit ihren 150 Losen aber ist der Brueghel. Das Bild gibt es in vier Versionen, aber nur einmal signiert und datiert (1622): Der Schätzpreis liegt bei 1,5 bis 2,5 Millionen Euro.

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