Bisher galt Le Pen als die aussichtsreichste Kandidatin bei der Präsidentschaftswahl 2027 - nun darf sie wohl nicht antreten. Es ist ein in dieser Form für viele überraschend hartes Urteil. Die Reaktionen sind gemischt.
Marine Le Pen stürmte aus dem Gerichtssaal, noch bevor ihre endgültige Strafe verkündet war. Das Urteil ist ein Paukenschlag: Neben einer Freiheits- und Geldstrafe haben die Richter entschieden, dass die Rechtspopulistin für fünf Jahre nicht bei Wahlen antreten darf.
Für das Gericht ist erwiesen, dass sie über Jahre hinweg im Zentrum eines Systems stand, mit dem Gelder des europäischen Parlaments gezielt veruntreut wurden: zugunsten ihrer Partei, des Rassemblement National.
"Ausmaß war Überraschung", Michael Strempel, ARD Paris, zum Urteil gegen Le Pen
tagesschau24, 31.03.2025 17:00 UhrPatrick Maisonneuve ist Anwalt und hat in dem Prozess das Europaparlament vertreten: "Es bestand kein Zweifel, dass ein regelrechtes System geschaffen wurde, um Gelder des Europäischen Parlaments zu veruntreuen", sagt er. "In diesem Punkt gab es für das Gericht offenbar keine Diskussion, kein Zögern, was die Frage der Schuldigkeit betrifft."
Richter sehen Risiko neuer Rechtsbrüche
Das Urteil hat für Le Pen harte Konsequenzen: Die Richter haben entschieden, dass der Verlust ihres passiven Wahlrechts sofort in Kraft tritt - und auch bei einer Berufung wirksam bleibt. Eine erneute Kandidatur Le Pens bei der Präsidentschaftswahl 2027 ist damit höchstwahrscheinlich passé.
Der Rassemblement National (RN) sieht darin ein politisch motiviertes Urteil: Die Richter hätten ihren Willen ausgedrückt, Le Pens Kandidatur zu verhindern. Das sei "gravierend", sagte Parteisprecher Laurent Jacobelli.
Der Verlust des passiven Wahlrechts mit sofortiger Wirkung ist eine harte - und in dieser Härte für viele überraschende - Entscheidung. Aus Sicht der Richter ist sie aber gerechtfertigt, denn Le Pen und die Mitangeklagten hätten während des monatelangen Prozesses keine Einsicht gezeigt. Deshalb bestehe das Risiko, dass es zu neuen Rechtsbrüchen kommen könnte, so die Richter.
"Schwerwiegendes und außergewöhnliches Urteil"
Parteisprecher Jacobelli weist diese Argumentation zurück:
Das Urteil könnte die politische Landschaft in Frankreich grundlegend auf den Kopf stellen, denn Marine Le Pen galt bisher als chancenreichste Kandidatin bei der nächsten Präsidentschaftswahl. Entsprechend heftig fallen die Reaktionen aus. Laurent Wauquiez, der Fraktionschef der Konservativen Les Républicains im französischen Parlament, warnt vor den möglichen Konsequenzen:
Grünen-Politikerin Marine Tondelier dagegen warnt vor Angriffen auf die Justiz - vor allem von Seiten derer, die nach den höchsten Ämtern strebten. Das sage viel über deren Verständnis des Rechtsstaates, so Tondelier auf X.
Marine Le Pen selbst hat angekündigt, in Berufung zu gehen. Sie will sich außerdem am Abend in einem Fernsehinterview äußern.
Carolin Dylla, ARD Paris, tagesschau, 31.03.2025 13:00 UhrHaftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke