Große Teile Myanmars sind nur schwer zugänglich. Das volle Ausmaß von Leid und Zerstörung nach dem Beben wird sich wohl erst nach Wochen zeigen. Experten vermuten, dass mehr als 10.000 Menschen ums Leben gekommen sind.

Nach dem schweren Erdbeben in Myanmar und Thailand ist die Zahl der Toten weiter gestiegen. Allein in Myanmar kamen nach offiziellen Angaben mehr als 1.000 Menschen ums Leben, mehr als 2.000 wurden verletzt.

Nach und nach wird in Myanmar das Ausmaß des verheerenden Erdbebens sichtbar. Häuser und Brücken stürzten ein, Straßen wurden aufgerissen. Helfer in der Region berichten, dass sie die verschütteten Menschen teilweise mit bloßen Händen unter den Trümmern ausgraben.

Größtes Erdbeben in Myanmar seit Jahrzehnten

"Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich so starke Erschütterungen gespürt habe", berichtet der Mitarbeiter eines Wachdienstes, der während des Erdbebens gerade auf Patrouille war. "So etwas habe ich noch nie zuvor erlebt, und die intensiven Erschütterungen machten mich richtig schwindelig. Bei mir zu Hause gab es keine Schäden, aber meine Kinder hatten große Angst und fühlen sich immer noch orientierungslos", sagte er der Nachrichtenagentur Reuters.

Es war das größte Erdbeben, das Myanmar seit Jahrzehnten getroffen hat, so Geologen. Minutenlang bebte die Erde. Das Epizentrum lag nahe der Millionenstadt Mandalay. Die Opferzahlen dürften in den nächsten Tagen noch steigen.

Laut der US-Erdbebenwarte ist das Beben in dem Bürgerkriegsland mit den Ereignissen in der Türkei 2023 zu vergleichen. Das Institut befürchtet, dass in den betroffenen Regionen insgesamt mehr als 10.000 Menschen ums Leben gekommen sind. Es ist wohl davon auszugehen, dass es noch Wochen dauern wird, bis man das volle Ausmaß der Zerstörung erfassen kann.

Viele Gebiete im Bürgerkriegsland nicht einfach zugänglich

Henry Braun leitet in Myanmar als Direktor die Arbeit der Welthungerhilfe im Land. Er hat das Beben selbst erlebt. Alleine werde das Land das nicht schaffen, sagte er in den tagesthemen. Die Zivilgesellschaft, die Menschen und Gemeinden versuchten, den Betroffenen zu helfen.

Auch die Welthungerhilfe versuche herauszufinden, wie die Lage sei und bereite sich auf Hilfe vor, etwa mit Wasser und Unterkünften. Aber "wir sind im Moment in einem Bürgerkrieg, der auch nahe der Stadt ausgefochten wird. Es ist sehr, sehr schwierig, weil nicht alle Gebiete einfach zugänglich sind".

Ruf nach internationaler Hilfe

In einem ungewöhnlichen Schritt bat der Chef von Myanmars Militärregierung um internationale Hilfe. Angesichts des Ausmaßes der Zerstörung solle "jedes Land, jede Organisation" helfen, sagte er.

Erste internationale Hilfe ist bereits im Land eingetroffen. Die indische Luftwaffe brachte unter anderem Zelte, Decken und wichtige Medikamente. Auch die EU und die Weltgesundheitsorganisation sagten Unterstützung zu.

Tote auch in Thailand

Die minutenlangen Erschütterungen waren auch in Thailand, China und Vietnam zu spüren. In der thailändischen Hauptstadt Bangkok, rund 1.000 Kilometer vom Epizentrum entfernt, stürzte der Rohbau eines 30-stöckigen Hochhauses in sich zusammen.

Das Gebäude wurde in einem Wimpernschlag in Schutt und Asche gelegt, berichtet der Bauarbeiter Khin Aung der Nachrichtenagentur AFP unter Tränen. Der Mann aus Myanmar arbeitete seit sechs Monaten gemeinsam mit seinem Bruder auf der Baustelle in Bangkok.

"Als ich nach draußen ging, sah ich überall Staub und rannte einfach los, um dem einstürzenden Gebäude zu entkommen. Ich versuchte, meinen Bruder und meine Freunde per Video anzurufen, aber nur einer ging ran", erzählt Khin Aung. "Ich konnte sein Gesicht nicht sehen, aber ich hörte, dass er ebenfalls rannte. Zu diesem Zeitpunkt bebte das Gebäude noch und war nicht eingestürzt, aber während des Gesprächs verlor ich die Verbindung, und das Gebäude stürzte ein."

Viele Angehörige haben sich an der Unglücksstelle versammelt. Doch mit jeder Stunde schwindet die Hoffnung, dass sie ihre Familienmitglieder noch lebend finden. Die Behörden gehen davon aus, dass bis zu 100 Arbeiter unter den Trümmern und dem verbogenen Metall eingeschlossen sind. Mehrere Menschen wurden bereits tot geborgen, viele gelten noch immer als vermisst.

Franziska Amler, ARD Neu-Delhi, tagesschau, 29.03.2025 11:59 Uhr

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