Trotz aller Kritik ist US-Vizepräsident Vance zu Besuch in Grönland. Angesichts der Besitzansprüche aus den USA setzen die dortigen Politiker auf Geschlossenheit: Vier der fünf Parlamentsparteien haben nun eine Koalition vereinbart.
Der Druck aus Washington auf das autonome dänische Territorium ist groß: Angesichts der wiederholt geäußerten Besitzansprüche von der neuen US-Regierung wollen sich die grönländischen Politikerinnen und Politiker breit aufstellen und Einigkeit signalisieren: Vier der fünf Parlamentsparteien beschlossen eine Zusammenarbeit. Der neue Regierungschef Jens-Frederik Nielsen von der sozialliberalen Partei Demokraatit und die Spitzen von drei weiteren Parlamentsparteien unterzeichneten in der Hauptstadt Nuuk einen Koalitionsvertrag.
Auch die linke Inuit Ataqatigiit (IA) des bisherigen Regierungschefs Múte B. Egede ist Teil der neuen Regierung. Nur die auf eine schnelle Unabhängigkeit vom Königreich Dänemark pochende Partei Naleraq steht außen vor - sie bildet nun alleine die Opposition im grönländischen Parlament Inatsisartut. Im Wahlkampf hatten sich einzelne Politiker der nationalistischen Partei offen gezeigt, Vorschläge der US-Regierung zu einer möglichen Übernahme zu erwägen.
Nielsen: "Gemeinsam sind wir am stärksten"
Eine solch breite Regierungszusammenarbeit ist in Grönland sehr ungewöhnlich, wird aber als Reaktion auf die wiederholten Aussagen von Trump betrachtet. "Es ist eine Zeit, in der wir als Bevölkerung unter Druck stehen", sagte Nielsen nach Angaben des grönländischen Rundfunksenders KNR bei der Präsentation der neuen Regierung. "Wir müssen zusammenhalten. Gemeinsam sind wir am stärksten."
Der erst 33 Jahre alte Nielsen wird nun neuer Regierungschef von Grönland. Sein Vorgänger Egede wird Finanz- und Steuerminister. Die Grönländer hatten vor zwei Wochen ein neues Parlament gewählt.
Besuch von JD Vance sorgt für neue Spannungen
Die Präsentation der Koalition fällt auf denselben Tag, an dem US-Vizepräsident JD Vance den Standort der US-Raumfahrttruppe in Pituffik an der Nordwestküste besucht. Teil der Delegation von Vance sind der nationale US-Sicherheitsberater Mike Waltz und der Energieminister Chris Wright.
Wie aus US-Regierungskreisen verlautete, will Vance bei seinem Besuch den Standpunkt vertreten, dass die dänische Regierung die Bevölkerung Grönlands "jahrzehntelang schlecht behandelt" habe. Die Grönländer würden "wie Bürger zweiter Klasse behandelt". Die örtliche Infrastruktur sei vernachlässigt worden.
Der Grönland-Besuch wurde im Umfang reduziert, nachdem es sowohl vor Ort als auch in Dänemark heftige Kritik gegeben hatte.
US-Weltraumstützpunkt Pituffik Der abgelegene US-Weltraumstützpunkt Pituffik im Nordwesten Grönlands, den US-Vizepräsident JD Vance besucht, ist die nördlichste Einrichtung des US-Verteidigungsministeriums. Betrieben wird er von der 821. Space Base Group.Der Stützpunkt wurde im Anschluss an ein Verteidigungsabkommen zwischen Dänemark und den USA aus dem Jahr 1951 errichtet. Er unterstützt Raketenwarn-, Raketenabwehr- und Weltraumüberwachungsoperationen für die USA und die NATO. In Pituffik befindet sich der nördlichste Tiefseehafen der Welt.
Bis 2023 hieß der etwa 1.500 Kilometer von Grönlands Hauptstadt entfernte Stützpunkt Thule Air Base und wurde dann umbenannt, um die grönländische Geschichte zu würdigen.
Neun Monate im Jahr ist die US-Base vom Eis umschlossen. Per Flugplatz ist Pituffik jedoch ganzjährig erreichbar. Von November bis Februar herrscht ständige Dunkelheit, von Mai bis August ist es durchgehend hell.
Frederiksen: "Inakzeptabler Druck" aus den USA
Die US-Amerikaner waren offiziell nicht eingeladen, ihr Besuch sorgte einmal mehr für diplomatische Spannungen zwischen Dänemark und den Vereinigten Staaten. Der bisherige grönländische Regierungschef Egede bezeichnete den Besuch als inakzeptabel.
Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen sagte, der Besuch aus den USA, der ursprünglich auf drei Tage angelegt war, habe "inakzeptablen Druck" erzeugt. Sie erklärte, dass Dänemark mit den USA beim Thema Verteidigung und Sicherheit zusammenarbeiten wolle. Grönland gehöre aber der grönländischen Bevölkerung.
"Wir wehren uns gegen diese Eskalation seitens der USA. Von dänischer Seite aus ist die Linie klar. Das war schon immer so", sagte Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen im dänischen Fernsehen. "Wir sagen deutlich: Wir werden uns nicht damit abfinden, dass die Amerikaner glauben, sie könnten entscheiden, wie das dänische Königreich in Zukunft aussehen soll. Das ist eine Entscheidung, die Dänemark und Grönland gemeinsam treffen."
In Grönland leben 57.000 Menschen. Bis 1953 war die Insel eine dänische Kolonie. Seit 1979 ist sie in vielen Bereichen autonom, doch entscheidet etwa über Außen- und Verteidigungspolitik immer noch die ehemalige Kolonialmacht Dänemark.

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