Europa statt die USA: Kanadas Premier Carney hat auf seiner ersten Auslandsreise Frankreichs Präsident Macron besucht. Den Zollstreit der USA gegen Kanada sprachen beide nicht direkt an - dafür machten sie der Ukraine ein Versprechen.

Kanadas Premierminister Mark Carney ist erst seit wenigen Tagen im Amt. Vor dem Hintergrund des schweren Handelsstreits mit den USA sucht er nun den Schulterschluss mit Staats- und Regierungschefs in Europa. Als erstes Ziel seiner Auslandsreise wählte er Frankreich aus, wo er sich heute in Paris mit Präsident Emmanuel Macron traf.

Beim Empfang im Élysée-Palast sprach sich Kanadas Regierungschef für eine engere Zusammenarbeit "mit verlässlichen Verbündeten wie etwa Frankreich" aus. Der Besuch in Paris sei ein vielversprechendes Symbol für die Zukunft. Souveränität, Solidarität und Beständigkeit seien Werte, die Kanada und Frankreich verbinden würden, sagte der 60-Jährige.

Trump droht mit Annexion

Vor ihrem Gespräch nahmen Macron und sein Gast aus Kanada keine Fragen von Journalisten an. Beobachter werteten dies als Zeichen, dass Macron US-Präsident Donald Trump nicht verärgern wollte. Kanada, ein Land mit 41 Millionen Einwohnern, erlebt eine beispiellose Krise in seiner Geschichte: Trump hat einen Handelsstreit gegen seinen Nachbarn begonnen und erklärt immer wieder, dass er Kanada zum 51. Bundesstaat der USA machen möchte. 

Kurz nach seinem Amtsantritt hatte der US-Präsident zusätzliche Zölle auf Einfuhren aus Kanada auf den Weg gebracht - und diese mittlerweile zweimal wieder ausgesetzt. Am vergangenen Mittwoch traten darüber hinaus 25-prozentige Einfuhrzölle auf Aluminium und Stahl aus der ganzen Welt in Kraft, die insbesondere Kanada treffen.

Carney: "Kooperation und nicht Konfrontationen"

Auf Trumps Angriffe auf Kanada ging Macron nicht ein, verwies aber darauf, dass Zölle nur Inflation verursachten. "Im aktuellen internationalen Kontext wollen wir unsere strategischsten Projekte mit unseren engsten und loyalsten Partnern entwickeln", sagte Macron.

"Gemeinsam sind wir stärker und können die Wahrung unserer Interessen und die volle Ausübung unserer Souveränität besser gewährleisten", erklärte Frankreichs Staatschef. Carney unterstrich den gemeinsamen Willen, "die bestmöglichen Beziehungen zu den USA aufrechtzuerhalten". "Wir wissen, dass wirtschaftliche Kooperation und nicht Konfrontationen uns ermöglicht, starke Wirtschaften aufzubauen."

Kanada will Europas Sicherheit gewährleisten

Bei ihrem Statement sprachen Macron und Carney auch den Krieg gegen die Ukraine an. "Wir beide stehen für Souveränität und Sicherheit, was auch unser unerschütterlicher Beistand für die Ukraine zeigt", sagte Carney. "Kanada wird immer bereitstehen, die Sicherheit Europas zu gewährleisten", fügte er hinzu.

Frankreich und Kanada seien "Friedensmächte" und "verlässliche Verbündete", betonte Macron. "In diesem Geist werden wir unsere Unterstützung für die Ukraine aufrecht erhalten und weiterhin klare Verpflichtungen von Russland fordern", sagte er.

Bewusstes Zeichen an US-Regierung

Nach dem Besuch in Frankreich wollte Carney nach London weiterreisen, um Gespräche mit dem britischen Premier Keir Starmer und König Charles III. zu führen, dem offiziellen Staatsoberhaupt Kanadas. Eine gemeinsame Pressekonferenz mit Starmer wurde ebenfalls nicht erwartet.

Dass Carney seine erste Auslandsreise nach Europa macht - und nicht wie viele seiner Vorgänger in die USA - wird auch als Zeichen in Richtung Washington angesehen. Mit Paris und London wählte der Premier jene zwei europäischen Hauptstädte als erste Auslandsziele, die Kanada in seiner frühen Entstehungsgeschichte am stärksten prägten.

Bei seiner Vereidigungszeremonie am 14. März verwies Carney darauf, dass das Land auf dem Fundament dreier Völker beruhe: Franzosen, Engländer und indigene Kanadier. Kanada unterscheide sich grundlegend von den USA und werde niemals ein Teil des Nachbarlands sein, betonte er. 

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