Die Boeing B-17 war bewaffnet wie eine Festung. Ein Jäger musste durch eine "Todeswolke" aus Geschossen fliegen, um den Bomber der US-Streitkräfte anzugreifen. Über die Frage, welches Modell das beste Jagdflugzeug des Zweiten Weltkriegs war, wird gern gestritten. Bei den schweren Bombern herrscht dagegen Einigkeit: Kein anderes Modell kommt an die B-17 heran.
Die B-17 – der Jungfernflug des Prototyps fand am 28. Juli 1935 statt – spielte für die Alliierten eine Schlüsselrolle in der strategischen Bombardierung, insbesondere bei der Zerstörung deutscher Industrieanlagen und der Schwächung der Luftwaffe. Die Achsenmächte besaßen keinerlei vergleichbare schwere Bomber. Während Deutschland mittlere Bomber wie die Heinkel He 111 oder das Vielzweckflugzeug Junkers Ju 87 einsetzte, fehlte es an einem schweren Bomber mit der Robustheit und Feuerkraft der B-17.
Andere alliierte Bomber, wie die B-24 Liberator, konnten eine größere Bombenlast tragen, doch keine Maschine übertraf die B-17 an Bewaffnung und Widerstandsfähigkeit. Kein Wunder, dass sie bei ihren Besatzungen beliebter war als die B-24. Zehn Mann waren nötig, um eine B-17 zu fliegen, vier davon allein als Schützen.
Waffenstarrende Festung
Frontnase, Heck und Seiten der "Fliegenden Festung" waren mit schweren Maschinengewehren gespickt. Mit jeder Version wurde die Bewaffnung verstärkt. Panzerung schützte die Besatzung zumindest vor Splittern, und die Treibstofftanks konnten sich bei Treffern selbst verschließen.
Besonders eindrucksvoll war die untere, voll drehbare Kuppel, der kugelförmige Sperry-Browning-MG-Turm, bestückt mit zwei Waffen. Die Schützen im unteren Turm und am Heck hatten die gefährlichsten Posten: Es dauerte mehr eine Minute, sich aus den engen Positionen zu befreien – oft zu lange. Die Schützen arbeiteten unter extremen Bedingungen: Kälte in großer Höhe, ständige Vibrationen und der Druck, feindliche Jäger abzuwehren, prägten ihren Alltag.
Die "Fliegende Festung" B-17 begrüßte die deutschen Jäger mit einem Kugelhagel

Psychologisch bot die schwere Bewaffnung einen Vorteil: Die Besatzung einer B-17 fühlte sich nicht als wehrloses Opfer deutscher Jäger, sondern konnte zurückschlagen. Eine B-17 F trug etwa 1000 kg Munition, was rund 7485 Patronen für die Maschinengewehre entsprach. Die Schützen an Unterseite, Heck und Front bündelten die Feuerkraft genau dort, wo die Maschine am verwundbarsten war. Der viermotorige Bomber war so konstruiert, dass einzelne Treffer mit Maschinengewehren ihm kaum gefährlich wurden. Besonders riskant war ein direkter Angriff von vorn, da eine einzige Garbe die Piloten hinter der Glasnase töten konnte.
Ohne Jagdschutz war auch die B-17 verwundbar
Über Deutschland flogen die B-17 in präzise abgestimmten Formationen. Der Abstand zwischen den Maschinen war so kalkuliert, dass die Bordschützen gemeinsam "Todeswolken" erzeugen konnten, wenn sich das Feuer mehrerer Bomber auf einen Jäger richtete. Gleichzeitig war der Abstand groß genug, um die eigenen Maschinen nicht zu gefährden. Die Deutschen reagierten auf die Herausforderung der "Fliegenden Festung". Statt Maschinengewehren bauten sie Maschinenkanonen der Kaliber 20 und 30 Millimeter in ihre Jäger ein. Sie experimentierten sogar mit Flugzeugen mit schweren Kanonen. Luftminen, über dem Bomberschwarm abgeworfen, sollten die B-17-Formationen sprengen. Später wurden Raketen unter die Flügel der Jäger montiert.
Widerstandsfähigkeit der B-17
Der Nachteil dieser Maßnahmen: Die schwere Bewaffnung machte die Jäger immer unbeweglicher. Da die Alliierten ihre Bomberflotten über Deutschland zudem mit weitreichenden Jagdschutzeinheiten absicherten, konnten die schweren Waffen, die eine B-17 zerstören sollten, den Luftkrieg nicht drehen. Die Einführung von Begleitjägern wie der P-51 Mustang ab Ende 1943 reduzierte die Verluste der B-17 erheblich und ermöglichte tiefere Einsätze ins Reichsgebiet.

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Die B-17-Bomber wurden für die riskantesten Tagesangriffe eingesetzt. Ohne Begleitschutz glich das einem Himmelfahrtskommando. Die B-17 wurde nicht nur als Waffe, sondern auch als Symbol amerikanischer Entschlossenheit wahrgenommen, was sich in Serien, Filmen und Erzählungen wie der berühmten "Memphis Belle" widerspiegelt. Bei den beiden Angriffen auf Schweinfurt, insbesondere am 14. Oktober 1943, kamen 230 B-17 zum Einsatz. 36 wurden abgeschossen, 122 beschädigt, 27 davon schwer. Bei diesen Einsätzen verloren Hunderte Besatzungsmitglieder ihr Leben, viele weitere gerieten in Gefangenschaft – ein hoher Preis für die Zerstörung der deutschen Kugellagerindustrie. Die hohen Verluste in Schweinfurt zwangen die Alliierten, ihre Tagesangriffe zu überdenken, bis stärkere Jagdbegleitung verfügbar war – ein Einschnitt, der als "Schwarzer Oktober" in die Geschichte einging.

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Kriegswirtschaft der USA
Der Jungfernflug des Prototyps der späteren B-17, dem Model 299, fand am 28. Juli 1935 statt. Das Model 299 war ursprünglich ein Wettbewerbsentwurf von Boeing, der sich gegen Konkurrenten wie Douglas durchsetzte, allerdings stürzte es bei einem späteren Testflug ab – ein Rückschlag, der die Serienproduktion verzögerte. Die B-17, offiziell als "Flying Fortress" bekannt, hatte eine Spannweite von 31,62 Metern und eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 460 km/h. Ihre Reichweite von mehr als 3200 Kilometern machte sie ideal für Langstreckeneinsätze. Insgesamt wurden etwa 12.731 Maschinen gebaut. Dieser enorme Output war nur durch die industrielle Mobilmachung der USA möglich, bei der Werke wie Boeing in Seattle Tag und Nacht Waffen produzierten.
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