Stimmt es wirklich, dass sogenannte Gewichtsdecken bei Schlafstörungen helfen? Statt mich auf eine dünne Studienlage zu verlassen, habe ich es selbst ausprobiert und mich vier Wochen lang nachts in sieben Kilogramm geflochtene Bio-Baumwolle des Anbieters Bearaby gehüllt.
Immer mehr Menschen leiden unter Schlafstörungen. Laut einer Analyse der Krankenkasse Barmer stieg die Zahl ihrer Versicherten mit einer entsprechenden Diagnose in den Jahren 2012 bis 2022 von fünf auf rund sieben Prozent. Das entspricht rund sechs Millionen Fällen. Die Dunkelziffer könnte noch deutlich höher sein, denn viele Betroffene lassen sich nicht behandeln oder haben keine ärztlich diagnostizierte Schlafstörung.
Ich gehöre zu der vermutlich sehr großen Gruppe von Menschen, die nachts selten durchschlafen können. Manchmal nicke ich dann schnell wieder ein, oft liege ich dann aber lange wach. Gelegentlich habe ich auch Probleme, einzuschlafen. Das passiert mir speziell, wenn am nächsten Tag wichtige Aufgaben auf mich warten oder ich zeitiger als üblich aufstehen und damit auch früher schlafen muss. Das Übliche also könnte man sagen.
Trotz meiner Schlafstörungen hatte ich bis vor ein paar Wochen nichts von sogenannten Gewichtsdecken gehört, die bei solchen Problemen helfen sollen. Erst eine Pressemitteilung des von der deutschen Auswanderin Kathrin Hamm gegründeten US-Unternehmens Bearaby machte mich darauf aufmerksam und neugierig. Nachdem ich ein wenig recherchiert hatte, entschloss ich mich, eine der Gewichtsdecken des Herstellers auszuprobieren, die als besonders hochwertig gelten.
Einen Test kann man das nicht nennen, eher einen Selbstversuch. Denn die Wirkung von Gewichtsdecken, auch Therapiedecken genannt, festzustellen oder nachzuweisen, ist alles andere als leicht. Das zeigt schon die dünne Studienlage zu dem Thema.
Wissenschaftlicher Hintergrund
Es gibt Arbeiten, die darauf hindeuten, dass sich eine sogenannte Tiefendruckstimulation (Deep Pressure Simulation/DPS) positiv auf den Schlaf auswirkt. Unter anderem soll sie die Produktion des Hormons Oxytocin fördern. Möglicherweise wird auch die Freisetzung der Neurotransmitter Serotonin und Dopamin stimuliert.
Echte wissenschaftliche Belege für die Wirkung von Gewichtsdecken gibt es allerdings nicht. Ein Problem beim Nachweis ist unter anderem die Schwierigkeit, randomisiert-kontrollierte Studien durchzuführen. Das heißt, die Probandinnen und Probanden werden in zwei Gruppen geteilt, wobei die einen tatsächlich mit Gewichtsdecken schlafen, während sich die anderen unter gewöhnlichen Decken kuscheln. Wie aber soll man den enormen Gewichtsunterschied nicht merken? Die Bearaby-Decken wiegen beispielsweise zwischen fünf und neun Kilogramm.
Studien haben Schwächen
Die Studien haben aber auch weitere Schwächen, wie das österreichische Cochrane-Projekt Medizin transparent festgestellt hat. "Die Teilnehmenden waren in Bezug auf Alter und Vorerkrankungen nicht wirklich durchschnittlich: In einer Studie nahmen autistische Kinder teil und in der anderen Erwachsene mit Depressionen, Angststörungen oder einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS)", heißt es dort. Die Prüfer stellen aber auch fest, dass sich ein möglicher Nutzen nicht ausschließen lässt, weitere Forschung sei nötig.
Soweit der wissenschaftliche Hintergrund meines Selbstversuchs. Ich wusste also von der mangelnden Evidenz, bevor ich mich rund einen Monat unter die Gewichtsdecke legte. Trotzdem kann ich einen Plazeboeffekt nicht ausschließen. Schließlich hatte ich im Hinterkopf, dass eine Wirkung nicht ausgeschlossen ist - oder positiver betrachtet, vielleicht nur noch nicht nachgewiesen ist.
Schwere Bedenken schnell verflogen
Nachdem die Decke bei mir eingetroffen war, hatte ich zunächst große Zweifel. Denn im Vergleich zu meiner fast federleichten Kamelhaardecke wirkte die sieben Kilogramm schwere Bearaby-Decke wie ein Kettenpanzer. Niemals könnte ich darunter ein Auge zubekommen, spätestens nach einer halben Stunde würde ich sie in einer klaustrophobischen Panikattacke abwerfen.
Tatsächlich dauerte es nicht einmal 15 Minuten, bis ich mich an das auf mir lastende Gewicht gewöhnt hatte. Zur Ablenkung las ich dabei ein Buch. Schon eine halbe Stunde später fühlte sich die Decke sogar richtig angenehm an. Ich mochte, wie sie sich um mich schmiegte, mich einpackte, freundlich drückte. Kurz darauf war ich eingeschlafen.
Erstaunlich luftig
Dann wachte ich aber trotzdem wieder mitten in der Nacht auf - weil mir kalt war. Die Bearaby-Decke ist nämlich nicht wie viele andere Gewichtsdecken mehrschichtig und/oder mit Plastikkugeln oder anderen Materialien zur Gewichtserhöhung gefüllt. Sie ist laut Hersteller zu 100 Prozent aus handgestrickter indischer Bio-Baumwolle (Fair Trade) gefertigt. Das "Garn" besteht offenbar aus zusammengerolltem Stoff und ist fingerdick. Entsprechend grobmaschig und luftig ist die Decke.
Meine Befürchtung, unter ihr zu schwitzen, war damit mehr als unbegründet. Tatsächlich legte ich sie die folgenden Nächte auf meine Kamelhaardecke, was sich bei den aktuellen Temperaturen in einem unbeheizten Schlafzimmer als perfekte Kombination herausstellte.
Theoretisch maschinenwaschbar
In der warmen Jahreszeit werde ich sie natürlich ohne zweite Decke nutzen, aber nicht ohne Bezug. Denn man kann sie laut Bearaby zwar bei höchstens 30 Grad sogar in der Maschine waschen. Allerdings würde das vermutlich meine betagte AEG Lavamat auf Wanderschaft durchs Badezimmer schicken. Ansonsten wirkt die Decke so hochwertig, dass ich mir keine Sorgen mache, das teure Stück sei schon bald ein Fall für die Tonne oder Container.
Zurück zu meinem Schlaf. Im Laufe der Wochen stellte ich fest, dass ich grundsätzlich mit Gewichtsdecke etwas besser schlafe. Woran das genau liegt, kann ich nicht sagen, einen Lackmustest für die Hormonausschüttung und Produktion von Neurotransmittern gibt es in der Apotheke nicht.
Sie hilft, ist aber kein Allheilmittel
Was ich aber definitiv weiß, ist, dass ich mich unter der Decke wohlfühle und sie vorerst nicht mehr missen möchte. Vielleicht macht das ja schon den kleinen Unterschied, möglicherweise kommt auch ein Plazeboeffekt hinzu. Ein Allheilmittel gegen meine Schlafstörung ist die Gewichtsdecke aber nicht.
Wenn ich beispielsweise vor der Nachtruhe ein Fünf-Gänge-Menü inklusive Pannacotta als Nachtisch verputze, schlafe ich immer noch schlecht. Zu viel Alkohol oder bis in die Puppen auf Bildschirme starren, kann die Gewichtsdecke ebenfalls nicht ausgleichen. Sie ist für mich eine Zutat für mein persönliches Rezept für einen guten Schlaf, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Mein Sieben-Kilo-Exemplar kostet direkt beim Hersteller rund 270 Euro, die Fünf-Kilo-Variante bekommt man für knapp 230, die Neun-Kilo-Decke für 300 Euro. Als Faustregel gilt: Das richtige Gewicht beträgt etwa zehn Prozent des Körpergewichts. Im Zweifel empfiehlt Bearaby, das leichtere Modell zu wählen.
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