In lauter Umgebung kann Noise Cancelling ein Segen sein. Nun gibt es aber Anzeichen, dass die Trend-Technologie bei Kopfhörern einen Preis haben könnte.

Ob im Zug, dem Flugzeug oder einfach im Büro: Ständige laute Umgebungsgeräusche lenken ab und verursachen Stress. Kein Wunder, dass Kopfhörer mit aktiver Geräuschunterdrückung, auch Noise Cancelling genannt, immer beliebter werden. Nun deutet sich aber an, dass auch die Technologie selbst Probleme machen könnten. Noch sind aber viele Fragen offen.

Der Verdacht tauchte zuerst in England auf. Mehrere Gehörexperten der britischen Gesundheitsbehörde NHS bestätigten gegenüber der "BBC", dass sie einen Anstieg von Patienten verzeichnen, die sich über Störungen im Gehör beklagen – dann bei Untersuchungen aber keinerlei Beeinträchtigung zeigen. Der Verdacht: Die Geräuschunterdrückung könnte verändern, wie das Gehirn die Geräusche verarbeitet.

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Kauderwelsch statt klarer Sprache

Unser Gehör funktioniert nämlich nicht so, dass wir die Geräusche einfach mit dem Ohr aufnehmen und dann damit gehört haben. Das Gehirn spielt eine enorm wichtige Rolle darin, die Sinneswahrnehmungen einzuordnen und zu interpretieren. Genau das scheint bei den Betroffenen aber nicht mehr im selben Maße zu funktionieren: Sie können etwa schlechter die Herkunft von Geräuschen im Raum verorten oder haben zunehmend Probleme, Gesprochenes zu verstehen, wenn andere Geräuschquellen hinzukommen.

Dieses als Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS) bekannte Phänomen ist bislang vor allem von Kindern bekannt. Dass es nun vermehrt auch bei Erwachsenen zu beobachten ist, die vorher normal gehört hatten, sei besorgniserregend, findet Renee Almeida. Die Ärztin leitet die Gehörklinik des Londoner Imperial College. "Es gibt einen Unterschied zwischen Hören und Hörverstehen", erklärt sie der "BBC". Die Ohren der Betroffenen würden die Informationen zwar korrekt aufnehmen, das Hirn verarbeitet sie aber nicht mehr wie es sollte.

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Probleme im Alltag

Im Alltag müssen wir Geräusche und Gesprochenes vom Hintergrundlärm heraustrennen und dann verarbeiten. Genau diese Fähigkeit könnte unter Noise Cancelling leiden, so der Verdacht der Ärzte. Schuld ist ausgerechnet das wichtigste Feature der Technologie: Weil der Hintergrundlärm herausgefiltert wird, können wir uns ganz auf das konzentrieren, was wir gerade hören wollen. Und wie ein wenig benutzter Muskel wird die Fähigkeit zur Trennung immer schwächer. 

Das erlebte auch Sophie. "All diese Worte klangen wie Kauderwelsch, wenn ich in Vorlesungen saß", beschreibt die 25-Jährige gegenüber der "BBC" ihre Erfahrung an der Uni. Sie besuchte deshalb lieber Online-Vorlesungen. Auch private Veranstaltungen oder Kneipenbesuche belasten sie, der Lärm ist für sie schwer auszuhalten. Als bei ihr ASVW festgestellt wurde, hatte der Arzt schnell die Noise-Cancelling-Kopfhörer im Verdacht, die Sophie bis zu fünf Stunden am Tag trägt.

Noise Cancelling im Verdacht

Beweise sind das alles natürlich noch nicht, lediglich starke Indizien. "Mir sind keine wissenschaftlichen Untersuchungen bekannt, die einen Zusammenhang zwischen Kopfhörern mit Geräuschunterdrückung und verringertem Hörvermögen belegen", erklärt etwa Harvey Dillon von der Universität Manchester. "Es ist auch denkbar, dass die Probleme durch zu lautes Musikhören verantwortlich ist. "Wir müssen dringend Studien zu diesen Fragen angehen", merkt Professorin Dani Tomlin von der Universität Melbourne gegenüber dem Guardian an.

Die Kopfhörer mit Geräuschunterdrückung könnten nämlich auch positive Auswirkungen haben, glaubt Tomlin. "Man sollte die Vorteile nicht übersehen", findet sie. So könnte das Herausfiltern von Hintergrundgeräuschen Menschen mit hoher Ablenkbarkeit bei der Konzentration helfen. Auch für das Hören kann es hilfreich sein. Das sieht auch ihr Kollege Dillon so. "Wenn man Störgeräusche herausfiltert und deswegen leiser Musik hört, kann es auch Gutes haben."

Quellen: Guardian, BBC

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