Köln Mitte der 90er - und heute, das sind die beiden Zeitebenen, vor deren Hintergrund Ballauf und Schenk in einem aktuellen Mordfall ermitteln. "Colonius" bietet gekonnt montierte Rückblenden-Suspense, visuell einnehmend und erstklassig besetzt.

Was passiert?

Der einstige Szene-Fotograf Alex Schmitz (Sven Gerhardt) wird ermordet in seiner Wohnung aufgefunden, in seinem Browser-Verlauf finden sich neben Games und den üblichen Websites vier Namen: Christian Kohlheim (Thomas Loibl), ein angesehener Kölner Bauherr, Svenja (Vanessa Loibl), dessen Tochter, der Restaurant-Besitzer René Horvath (Andreas Pietschmann) und die Galeristin Meike Bennis (Karoline Eichhorn). Als Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) die vier auftun und ins Verhör nehmen, stellen sie fest: Es handelt sich um eine Clique aus den Tiefen der 90er-Jahre, auf Ecstasy und Wodka zogen sie einst um die Häuser und tanzten die Nächte durch. Nach einer Techno-Party hoch oben im Colonius, dem Fernmeldeturm in der Kölner Neustadt, war ihre Freundin Gina (Emma Bading) spurlos verschwunden. Ballauf und Schenk sind sich relativ schnell sicher: Einer der vier hat Schmitz auf dem Gewissen. Oder haben sie ihn womöglich gemeinsam um die Ecke gebracht - und was wurde aus Gina?

Worum geht's wirklich?

Einer der Protagonisten ist der titelgebende "Colonius", stolze 266 Meter hoch, 1981 eingeweiht und bis heute der höchste seiner Art in Nordrhein-Westfalen, der siebthöchste in Deutschland. In 166 Meter befindet sich die Turmkanzel, seit 1994 stehen das ehemalige Drehrestaurant und die einst als Diskothek genutzte Fläche leer. Anfang der 90er war während einer Veranstaltung Panik ausgebrochen, später fanden sich keine Pächter mehr. Rainer Lipski (Bildgestaltung) und Regisseurin Charlotte Rolfes zeigen, wie stimmungsvoll es sich hier auch heute noch feiern ließe. Und dann ist da natürlich der Fall bzw. die Fälle: die vermisste Gina und der ermordete Alex. Das Autoren-Tandem Eva und Volker A. Zahn hat die Zeitebenen einfallsreich miteinander kombiniert und sorgt für doppelte Spannung in Vergangenheit und Gegenwart.

Wegzapp-Moment?

Nicht vorhanden. Weder 1993 noch heute. Auch schön: Endlich mal wieder Alex Christensen hören und die Hose vom letzten Mayday-Rave vom Speicher holen.

Wow-Faktor?

Ausgesprochen hoch. Das Prinzip des Rückblenden-Krimis selbst ist nicht eben der neueste Schrei, umso essenzieller also, seine Plotlinien im Griff zu haben. "Colonius" schultert diese Aufgabe äußerst solide, das Personal changiert souverän zwischen unterschwelliger Spannung und heftigen Eruptionen. Die Besetzung der Clique im Rausch der 90er sowie der Ex-Clique, seit 30 Jahren im Hangover verfangen, ist stimmig. Zudem finden Ballauf und Schenk den richtigen Ton, verzichten völlig auf kumpeligen Flachs, agieren stattdessen zurückgenommen bis empathisch. Dezenter Spoiler-Alarm: Das Filmzitat rund um Aimee Manns grandiosen Song "Wise Up" ist eine Wucht.

Wie war's?

9 von 10 Punkten - ein Klasse-Krimi auf allen Ebenen.

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