Seit 21. Februar ist Kash Patel der neue Chef des FBI in Washington. Patel hat mit seinen 44 Jahren schon eine beachtliche Karriere hingelegt: Pflichtverteidiger in Florida, Berater für Terrorismusbekämpfung im amerikanischen Justizministerium, Stabschef des von Trump eingesetzten kommissarischen Verteidigungsministers, Leugner des Wahlergebnisses von 2020, Verwaltungsrat von Donald Trumps Internetplattform „Truth Social“. Darüber hinaus ist der neue FBI-Direktor auch Kinderbuchautor, und in dieser Eigenschaft hat er das Feuilleton zu beschäftigen.
Kash Patel hat die Texte für eine fünfteilige Serie von Bilderbüchern mit dem Titel „Die Verschwörung gegen den König“ („The Plot against the King“) geschrieben. Wir haben exemplarisch Band 1 und 3 gelesen. Bei einer Buchreihe, die den König im Titel hat, könnte man glauben, dieser sei auch der Held der Geschichte. Weit gefehlt! Der Held ist vielmehr ein Zauberer namens „Kash, der exzellente Entdecker“. Laura Vincent, von der die Illustrationen stammen, malt ihn als dunkelhäutig-orientalischen Weisen mit goldenem Stab, in einen blauen Umhang gehüllt und mit einer gewaltigen Zaubererzipfelmütze bedeckt.
Die Abenteuer des ersten Bandes entfalten sich wie folgt: Im Land der Freien wird ein neuer König gewählt. Alle Herolde haben verkündet, Hillary Queenton – eine Blondine mit sehr hässlichen Falten – werde die Wahl gewinnen, aber an ihrer Stelle siegt Donald, der Händler, ein strahlend-blonder Held; seine Krone trägt die Aufschrift „MKGA“, die Abkürzung für „Make the Kingdom Great Again“. Nun verkünden die Herolde, König Donald habe sich den Königsthron mit Hilfe der Russionen erschlichen. Angeführt werden sie dabei von einem verschlagenen („shifty“) Ritter.
Zauberer Kash nimmt Ermittlungen auf. Er stellt fest, dass der Kasten mit dem Beweisstück Schleimspuren von Schnecken enthält. Höchst verdächtig! Zauberer Kash findet heraus, dass die Schleimschnecken samt der falschen Beweise von Hillary Queenton persönlich stammen und die Taverne, in der König Donald sich angeblich mit den Russionen getroffen hat, um Ginger Ale zu trinken, gar nicht existiert. Leider verkünden die Herolde, angestachelt vom verschlagenen Ritter, immer noch ihre Lügenbotschaften; dies betrübt König Donald außerordentlich. Also muss Zauberer Kash seine Schüchternheit überwinden, einen Turm besteigen und die Wahrheit verkünden. Unterwegs stoppt er, um seine Schnürsenkel zu binden. Bei dieser Gelegenheit stürzt Hillary Queenton kopfüber in den Schlossgraben. Am Schluss müssen sie und der verschlagene Ritter schlammbespritzt und beschämt das Königreich verlassen. Alle anderen versammeln sich zu einem heiteren Festmahl, und Zauberer Kash darf neben König Donald sitzen.
An dieser Stelle sei eingeschoben, dass es nicht normal ist, einen FBI-Chef in den Ruhestand zu schicken, nur weil ein neuer Präsident gewählt wurde: Es ist in der amerikanischen Geschichte noch nie vorgekommen. Der FBI-Chef soll vom Präsidenten unabhängig agieren, denn er ist – wie das amerikanische Justizministerium Department of Justice (DOJ) – nur der amerikanischen Verfassung verpflichtet. Damit zurück zu Kash Patels Bilderbüchern: Im uns nicht vorliegenden zweiten Band der Serie scheint etwas Furchtbares passiert zu sein, denn in Band 3 mit dem Titel „The Return of the King“ (die Rückkehr des Königs) sieht das Königreich ziemlich heruntergekommen aus: zerbrochene Fenster, ruinierte Häuser. Eine Froschplage sucht das Land heim. Durch die trübe Landschaft rollt eine Kutsche, in der Baron von Biden, seine Konkubine Comma-la-la-la und ein Hofnarr sitzen, der Shifty heißt. Ein wahrheitsliebender Troll verrät den dreien, dass das Volk sich König Donald zurückwünscht. Nun füttert Hofnarr Shifty das Haustier des Barons, einen kleinen grünen Drachen, mit Chilischoten. Nicht umsonst heißt der Drache nämlich „Dragon of Jalapenos“, kurz: DOJ.
Dank den Chilischoten wächst der Drache vom Haustierhaften ins Ungeheuerliche und zündet mit seinem feurigen Chili-Atem das Haus von König Donald an. Später verfolgt er den abgesetzten König und verbrennt ihm sogar das Ohr. Wieder ist es Zauberer Kash, der rettend eingreift: Er steigt dem Drachen auf den Fuß und sagt ihm, dass König Donald gar nichts gegen Drachen habe. Daraufhin lässt der gezähmte Drache den nur leicht lädierten Donald auf seinem Rücken reiten; die zerstörten Häuser werden renoviert. Schließlich verjagt der Drache mit seinem Feueratem den bösen Baron, seine Konkubine Comma-la-la-la und den Hofnarren Shifty mit einem gerechten Feuerstrahl. Wir wagen nicht, uns auszumalen, was in den letzten beiden Bänden passiert.
Die Bilderbücher des Kash Patel sind kinderleicht zu dekodieren: Der erste Band handelt von den Untersuchungen gegen Donald Trump wegen seiner Russlandkontakte im Wahlkampf 2016. Hillary Queenton ist natürlich Hillary Clinton. Interessant ist, wer in diesem Band mit keiner Silbe erwähnt wird: Robert Mueller, der Sonderermittler des FBI. Das mag daran liegen, dass Muellers Bericht Trump damals bekanntlich nicht entlastet hat, sondern lediglich zu dem Schluss kam, über Trump habe nicht die amerikanische Justiz, sondern das Wahlvolk zu richten. Der dritte Band spiegelt die Weltsicht des gemeinen Trump-Wählers wieder: Trump sei ein unschuldiges Opfer, er habe sich weder widerrechtlich Geheimakten angeeignet noch einen Putsch angezettelt, sondern Biden habe das Department of Justice gegen ihn instrumentalisiert. Bemerkenswert ist, welches Ende in diesem dritten Band nicht einmal als Denkmöglichkeit erörtert wird: dass der Drache namens DOJ wieder auf Haustiermaß zurückgeschrumpft wird. Nein, er muss groß bleiben und Feuer spucken, und König Donald muss auf ihm reiten.
Mit dem verschlagenen Ritter und späteren Hofnarren Shifty ist ganz offenkundig Adam Schiff gemeint, einer der beiden Senatoren aus Kalifornien, der früher den permanenten Untersuchungsausschuss für Geheimdienste im Repräsentantenhaus geleitet hat. Unter dem neuen FBI-Chef scheint Adam Schiff sich ernsthaft Sorgen machen zu müssen; kann sein, dass ihm bald der Prozess wegen Präsidentenbeleidigung gemacht wird. Und nein, das ist nicht als Witz gemeint.
Bleibt nur noch die Frage, an welche Zielgruppe sich die Bilderbücher des neuen amerikanischen FBI-Chefs richten. Die Rückseite der Bände meldet: Für Kinder ab 3 aufwärts. Aber für Kleinkinder sind sie zu langatmig und textlastig; für größere Kinder wiederum sind sie zu primitiv. Die Antwortet lautet wohl, dass es sich hier um Bilderbücher für Erwachsene handelt, die gern wieder Kinder wären.
Kash Patel (Text), Laura Vincent (Illustrationen): The Plot Against the King. Beacon of Freedom Publishing House, Read Oak, Georgia 2022. 40 S., 18 $.
Kash Patel (Text), James Scrawl (Illustrationen): The Plot Against the King 3: The Return of the King. Brave Books, Houston, Texas 2024. 40 S., 20 $.
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