Landschaft heisst die Ausstellung. Kurz und knapp. So wie Roman Signer über sich und seine Kunst spricht. Als er den Raum gesehen habe, habe er sofort daran gedacht, ihn als Landschaft zu gestalten, erzählt er. Für den gebürtigen Appenzeller ist die Natur ein wichtiger Inspirationsraum.
Kein Zischen, kein Knallen, kein Sprudeln
Roman Signer möchte, dass man zwischen seiner Kunst spazieren gehen kann. Im grossen Ausstellungssaal, den man selten so licht und weit und leer gesehen hat. Die Kunstwerke locker im Raum verteilt. An den Wänden wenige Fotos. Filme sind nur in einem kleinen Nebenraum zu sehen.
Wer erwartet, dass es zischt und knallt und sprudelt, muss umdenken: Roman Signer tritt hier ganz ruhig auf.

«Ich bin kein kinetischer Künstler wie Tinguely», sagt Signer. «Meine Arbeiten bewegen sich meistens nur kurze Zeit.» In der Ausstellung bewegt sich fast gar nichts. Und doch ist alles enthalten, was Signer ausmacht: seine Experimentierfreude, seine Lust am Spiel und die Offenheit, Unvorhergesehenes zuzulassen.
Alltagsdinge erobern metaphysische Räume
Gleich neben dem Eingang hängt, in luftiger Höhe, ein Koffer an der Wand, befestigt mit Gummiseilen. Koffer kommen in Signers Werk oft vor. Sie erzählen von Aufbruch und Reise. Und von Neugier.

Das Reisegepäck ist also parat. Es kann losgehen. Auf eine Reise durch 50 Jahre Schaffen. Aber, das ist dem 86-jährigen Künstler, der seit langem in St. Gallen lebt, wichtig: Die Ausstellung ist keine Retrospektive!
Viele Arbeiten sind neu. Zum Beispiel das Kajak, das mit Schläuchen gefüllt ist, durch die Wasser gepumpt wird. Durch die Schubkraft des Wassers gerät das Kajak in Bewegung.
Das grosse Kunst-Spiel
Das Kajak ist, wie der Koffer, ein Objekt, das in Signers Arbeiten immer wieder vorkommt. Ursprünglich war es für ihn nur ein Sportgerät. Doch dann sei der Moment gekommen, in dem es in einen anderen Raum übergegangen sei. Signer: «Hochgestochen könnte man sagen: in einen metaphysischen Raum».

So wie mit dem Kajak ist es mit vielen Objekten. Roman Signer nimmt sie aus der Alltagswelt und transportiert sie in eine andere Welt. Buchstäblich, indem er Tische und Stühle mit kleinen Helikopter-Rotoren ausstattet oder an Heliumballons bindet. Oder auch im übertragenen Sinn. In der Ausstellung muss man sich die Bewegung der meisten Objekte vorstellen. Man wird gewissermassen zum Mitspieler in einem grossen Kunst-Spiel.
Denn: Signers Arbeiten haben etwas Spielerisches. Das Spiel, wie Signer es auf intelligente Weise betreibt, kann den Blick öffnen und neue Sichtweisen möglich machen. Das macht Signers Arbeit und diese Ausstellung sehr anregend. Auf seine unaufgeregte Art vermittelt Signer, dass es immer einen Weg gibt – auch wenn der vielleicht ein wenig kurios ist.
Die einzige Arbeit, für die Signer eine kleine Koje hat bauen lassen, ist ein Christbaum, der an der Vernissage in Bewegung gesetzt wurde. Er rotierte schnell um die eigene Achse, die Christbaumkugeln flogen ab und zerschellten.

«Er befreit sich von den Kugeln», sagt Signer dazu. Und ergänzt: «Vielleicht ist das ein Traum vom Christbaum». In der Ausstellung dreht der Christbaum sich langsam weiter – umgeben von den abgeschüttelten Kugeln.
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