Es soll ja Menschen geben, die Kinder im Kita- und niedrigen Grundschulalter haben und glauben, sie seien in der Hölle. Womit sie natürlich völlig recht haben: Mit nichts würde man die Geburtenrate zum Beispiel wahrscheinlich stärker unter Druck setzen, als mit vier Wochen akutem Schlafentzug, der Verpflichtung kinderwünschender Erwachsener zu einem Elternabend auf klitzekleinen wackeligen Stühlen oder zwei Wochen Beteiligung an einem Elternchat unserer Wahl.
Wobei … Kinokarten würden dem Aussterben des Biodeutschen auch erfolgreich zuarbeiten. Durch was man da als durchschnittliche Übereltern alles durchmuss. Den Lego-Film, den Playmobil-Film, den Angry-Birds-Film. Durch – Ausnahmen wie „Barbie“ und der „Super Mario“-Film bestätigen die Regel – diese ganzen fadenscheinig verplotteten (Video-)Spieladaptionen, vor denen man sitzt, während seine Brut sich neben einem köstlich amüsiert, und dringend um möglichst rasches Entschlafen bittet. Weil einen, was einem da in der Regel begegnet, sonst der Implosion seines ohnehin matten Hirns ziemlich rasch nahebringen würde.
Bevor wir uns hier jetzt in Rage reden, müssen wir schnell in die nächste cineastische Spielhölle einbiegen und auf „Ein Minecraft-Film“ kommen (so heißt er wirklich). Minecraft – seit 2009 auf dem Markt – ist das erfolgreichste aller Videospiele nach Tetris.
Eine reine Oberfläche, eine Pixel-Welt aus Quadern und Kuben, die erst wirklich eine Welt wird, wenn der Spieler (oft in Gruppen) ihre Kreativität über sie walten lässt – Häuser baut und Höhlen, Geschichten erfindet, seine Welt verteidigt gegen kubische Fieslinge. Jeder, könnte man sagen, dreht jeden Tag seinen eigenen Film.
Die Geschichte, für die Warner möglicherweise über Monate insgesamt fünf Autoren in einen Writers Room sperrte, ist eine dramaturgisch furztrockene (auf ungefähr diesem Niveau ist der ganze Film) Ableitung der uralten Jumanji-Methode. Wobei das unfair ist. Gegen „Minecraft“ ist „Jumanji“ – die Brettspiel-Adaption von vor dreißig Jahren – hochintellektuelles Arthouse-Kino.
Nun gut. Es geht um ein Kaff in Idaho. Und einen eher umfangreichen Mann namens Steve (Jack Black darf die endgültige Ableitung seines headbangenden Heavy-Metalisten geben) mit Minentick, der auf magischem Weg in eine Unterwelt aus Pixeln und Kuben gerät. Da gibt es auenländische Idyllen (gedreht wurde in Neuseeland) und Zombies und eine mordorhafte Unterwelt namens Nether, in der eine fiese Hexe haust.
Der Mann muss natürlich gerettet werden. Dazu spült ihm das Drehbuch ein Quartett von Knallchargen ins Minecraftland. Von denen die meisten – das Waisengeschwisterpaar Natalie und Henry, den hochbegabten kleinen Kreativen vor allem – niemand unter den Plottern anscheinend wirklich interessiert haben. Während Garrett „The Garbage Man“ Garrison (Jason Momoa), ein abgehalfterter, ehemals sensationell erfolgreicher Gamer, erwartbar mit Steve eine Bromance von allerhöchster Schmierigkeit eingeht, in deren Verlauf man mit mehr ganz schlimmen Scherzen bombardiert wird, als die Welt von Trumps Zöllen.
Jugendgefährdend (der Quaderstreifen ist in Deutschland für Kinder ab zwölf freigegeben) ist „Ein Minecraft-Film“ übrigens nicht wegen der gezeigten Gewalt und vorgeführten Düsternis. Sondern eben jener Scherze wegen, der peinlichen Wortspiele, der platten Botschaft (Kreativität wird dein Leben retten). Und eines Skripts, in dem ganze Plotlinien in Logiklöchern verschwinden. Und das so schlampig zusammengestapelt ist, wie es keine Kubenwelt eines Fünfjährigen wäre. Man möchte mit Klötzchen um sich werfen.
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