Jüngeren mag sein Name nichts mehr sagen, doch in der Generation 40 plus kennt ihn so gut wie jeder: Hans Rosenthal. Mit der Rate-Show "Dalli Dalli" und seinem "Spitze"-Sprung schreibt er TV-Geschichte. Seine persönliche Geschichte ist dagegen durchaus tragisch. Nun wäre er 100 geworden.
Er war wieder kurz zu hören, obwohl das eigentlich nicht möglich ist. Am 9. März erklang Hans Rosenthals unverkennbare Stimme zum 60. Jubiläum der Rundfunksendung "Sonntagsrätsel" - mithilfe moderner KI-Technik, 38 Jahre nach seinem Tod. Eine passende Erinnerung, denn an diesem Mittwoch jährt sich der Geburtstag des beliebten Entertainers zum 100. Mal.
Kaum jemand hätte damals daran gezweifelt, dass der energiegeladene Moderator diesen runden Geburtstag selbst erleben würde. Doch der beliebte Showmaster verstarb bereits 1987 im Alter von nur 61 Jahren.
Er war ein Kind des RIAS (Rundfunk im US-amerikanischen Sektor). Im Westberliner Funkhaus ging er ab 1948 ein und aus, zuvor hatte er beim (ostdeutschen) Berliner Rundfunk ab 1945 eine Ausbildung zum Regieassistenten gemacht. Beim RIAS entwickelte und moderierte er zahlreiche beliebte Formate wie "Wer fragt, gewinnt", "Spaß muss sein" und "Das klingende Sonntagsrätsel".
"Sie sind der Meinung …"
Rosenthals große Popularität kam jedoch erst mit dem Fernsehen. Nach einem Intermezzo als Unterhaltungschef der Filmgesellschaft Bavaria in München wurde er beim ZDF einer der bekanntesten und beliebtesten Showmaster im deutschsprachigen Raum. Seine berühmteste Sendung wurde "Dalli Dalli", ein Ratespiel für Schnelldenker, das Rosenthal auch entwickelt hatte. Von der Premiere am 13. Mai 1971 bis 1986 moderierte er alle 157 Episoden der monatlichen Abendshow.
Ein Höhepunkt jeder Sendung war sein berühmter "Spitze"-Sprung. Wenn ein Kandidat besonders viele Punkte erreicht hatte, fragte Rosenthal ins Publikum: "Sie sind der Meinung, das war ...?", worauf die Zuschauerinnen und Zuschauer im Chor antworteten: "... Spitze!" Und "Hänschen", wie Millionen Fans ihn liebevoll nannten, sprang mit ausgestrecktem Zeigefinger in die Höhe.
Dann stand die 75. "Dalli Dalli"-Sendung am 9. November 1978 an - und Rosenthal begehrte auf. Der Sendetermin falle auf den 40. Jahrestag der Novemberpogrome der Nazis von 1938, man müsse das verschieben. Das ZDF lehnte ab, Rosenthal trug Schwarz und ließ in den Ratepausen Opernmusik statt der üblichen Schlager spielen.
"Immer beeilt in meinem Leben"
1980 erschien die Autobiografie von Hans Rosenthal unter dem Titel: "Zwei Leben in Deutschland. Eine deutsch-jüdische Geschichte". Da wurde einem breiten Publikum bewusst, dass der witzige Hans Rosenthal einen tragischen Familienhintergrund hatte. Er entstammte einer jüdischen Familie, die der Verfolgung durch die Nationalsozialisten ausgesetzt war. In seinem Buch schrieb er: "Wenn mir die Kinder der Nachbarschaft 'Dalli-Dalli' nachrufen, dann denke ich: Ja, ich habe mich eigentlich immer beeilt in meinem Leben. Nicht um dem Glück nachzulaufen, sondern um dem Unglück zu entgehen."
Geboren 1925 als Sohn des jüdischen Bankangestellten Kurt Rosenthal in Berlin, wuchs Hans am Prenzlauer Berg auf. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 begann für die Familie ein Leben in permanenter Angst. Sein Vater verlor seine Arbeit, erkrankte und starb mit nur 36 Jahren an Nierenversagen. Seine Mutter erlag mit 42 Jahren einem Krebsleiden.
1941 waren Hans und sein sieben Jahre jüngerer Bruder Gert Vollwaisen und kamen in ein Heim für jüdische Kinder. Der zehnjährige Gert wurde nach Riga deportiert und dort 1942 erschossen, während Hans zur Zwangsarbeit als Totengräber in Berlin-Weißensee verpflichtet wurde.
1943 gelang dem damals 18-jährigen Rosenthal die Flucht. Er tauchte in der Kleingartenkolonie "Dreieinigkeit" in Berlin-Lichtenberg unter und wurde von drei couragierten Frauen über zwei Jahre versteckt, bis die Rote Armee am 25. April 1945 einmarschierte und er aus seinem Versteck kommen konnte.
Dem Magenkrebs erlegen
Während seiner Karriere als fröhlicher Showmaster bei RIAS und ZDF hat Hans Rosenthal seine schrecklichen Erlebnisse keineswegs eisern verschwiegen, er hat sein Überleben des Holocaust nur nicht zum großen Thema gemacht, sondern sich - von der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet - in der Jüdischen Gemeinde Berlin sowie im Zentralrat der Juden in Deutschland engagiert.
Nach der Veröffentlichung seiner Biografie moderierte der ebenso bescheidene wie humorvolle Mann 1983 die ARD-Show "Das gibt's nur einmal - Noten, die verboten wurden", in der Hans Rosenthal eindrucksvoll den Nazi-Terror in einer Unterhaltungssendung thematisierte und am Schluss den bis heute gültigen Satz sprach: "Vor 50 Jahren fing alles an, und wir alle können nur hoffen, dass diese Vergangenheit keine Zukunft hat!"
In der Folgezeit zeigte sich, dass Hans Rosenthal dieses dramatische Leben nicht unbeschadet überstanden hatte. Er erkrankte wie seine Mutter Else an Magenkrebs, starb am 10. Februar 1987 im Alter von 61 Jahren und wurde auf dem Jüdischen Friedhof Heerstraße im Berliner Charlottenburg-Wilmersdorf in einem Ehrengrab bestattet.
Hans Rosenthal hinterließ seine Ehefrau Traudl, die 2016 gestorben ist, die Tochter Birgit (geboren 1950) und Sohn Gert (1958), der heute als Notar und Rechtsanwalt in Berlin arbeitet und sich um die Hans-Rosenthal-Stiftung kümmert. Diese unterstützt Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind - ganz im Sinne ihres Namensgebers, der selbst auf die Hilfe couragierter Mitmenschen angewiesen war.
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