Es tut sich etwas im Revier, mit dem Fall "Abstellgleis" öffneten sich neue Perspektiven. Ob die angesichts des Personals Anlass zu Optimismus geben, muss sich zeigen. Dafür hat es Fabers Intimfeind völlig überraschend dahingerafft.
"Wie lange geht das noch gut?", hatten wir vergangene Weihnachten an dieser Stelle gefragt. Faber (Jörg Hartmann), der Schmerzensmann, bekleidet mit seinem Parka, der ihn zusammenhält. "Made in China" hieß diese 25. Folge, darin der Dortmunder Kommissar chronisch in der Nähe zum Kollaps. Nur einen Fall später nun, wenn schon keine Wiederauferstehung, so doch die Perspektive dessen, was man eine Zukunft nennen könnte, wie auch immer die aussieht.
Stichwort Parka - ausgerechnet den legte Faber nun ab, schlüpfte in einen smarten Anzug, gelte sein Haar nach hinten und setzte sich eine schmucke Pilotenbrille auf die Nase. Wüsste man nicht, wie es in ihm aussieht - man könnte ihn glatt für einen erfolgreichen Geschäftsmann halten. Oder zumindest einen ausgekochten Drogendealer.
Natürlich waren die Gründe für den Klamottenwechsel wieder einmal existentieller Natur. Faber stand unter Mordverdacht, die Reihen im Dortmunder Revier hatten sich ausgerechnet an einem besonders sensiblen Punkt gelichtet: Fabers Intimfeind, KTU-Chef Haller (Tilman Strauß), war mit mehreren Messerstichen ermordet worden. Natürlich fiel der Verdacht auf Faber, hatten die beiden doch seit dem Tod von Kollegin Bönisch (Anna Schudt) keine Gelegenheit ausgelassen, einander zu beharken. Kurz vor Hallers Tod erst hatten sie sich am Rande eines Fahrerflucht-Mordes massiv in die Haare bekommen. Dabei kam der Exitus des KTU-Mannes so dermaßen aus der kalten Küche, dass sich mancher Zuschauer gefragt haben mag, ob er zwischendurch kurz eingenickt sei. Aber nichts da - von einer Szene zur nächsten wurde in der KTU eine Stelle frei.
Protagonisten auf der Flucht, spätestens seit Dr. Kimble ein beliebtes Motiv, und so verschlug es auch Faber in eine Art Parallelwelt. Heimlich hielt Rosa Herzog (Stefanie Reinsperger) Kontakt, traf ihn konspirativ und versorgte ihn mit etwas Bargeld. Auf Revierseite dagegen kamen die Ereignisse nun erst so richtig ins Rollen. Neben der auf Krawall gebürsteten Revierchefin Ira Klasnić (Alessija Lause) tauchte plötzlich auch noch Kommissar Kossik (Stefan Konarske) vom LKA auf, ein alter Bekannter, dem ebenfalls der Sinn danach stand, Faber für den vermeintlichen Mord an Haller dranzukriegen, und ihn so endlich aus dem Verkehr zu ziehen.
All das verdrahtete Autor Jürgen Werner zu einer diffus konspirativen Krimi-Melange, Regisseur Regisseur Torsten C. Fischer wechselte die Orte des Geschehens äußerst effektiv. Dabei ist in diesem Wimmelbild von Erzählsträngen fast schon zuviel los, um überhaupt noch richtig am Ball zu bleiben. Überall verschieben sich die Realitäten, schließlich wird sogar Herzogs Mutter, die Ex-Terroristin Susanne Bütow (Esther Zschieschow), noch einmal aufs Revier gezerrt. Das verräterische Prepaid-Handy gerät in den Fokus. Was treibt eigentlich Kossik an und überhaupt: Die Klasnić und der zunächst tatverdächtige Kunsthändler Lorik Duka (Kasem Hoxha) haben so etwas wie eine gemeinsame Vorgeschichte?
Fast ein kleines Wunder, dass auch noch Platz für Humor ist, seien es die "drei Bier zum Frühstück" oder die unappetitliche Geschichte mit Fabers Kaffeebecher. Unterm Strich also ein heilloses Durcheinander, zahlreiche, um Aufmerksamkeit buhlende Kriegsschauplätze, bei denen man gespannt sein darf, wie hier am Faber-Mythos weitergestrickt wird - Potential ist jedenfalls reichlich vorhanden. Und den Anzug sollte Faber nicht allzuweit weglegen - sah flott aus.
Am kommenden Wochenende dürfte es etwas leichtfüßiger werden, von Dortmund geht es nach Münster. Am 6. April um 20.15 Uhr ermitteln Kriminalhauptkommissar Frank Thiel (Axel Prahl) und Professor Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) im Fall mit dem programmatischen Titel "Fideralla".
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