Vor dem ESC in Basel gibt es Zoff zwischen zwei Ländern: Estland geht mit einem Lied an den Start, das italienische Kultur aufs Korn nimmt. Italien findet das nicht lustig.

Eigentlich soll beim Eurovision Song Contest jährlich die europäische Gemeinschaft in musikalischer Form gefeiert werden – viele verschiedene Länder, die trotzdem zu einer großen Party zusammenkommen. Doch vor dem diesjährigen ESC, der vom 13. bis zum 17. Mai in Basel stattfindet, gibt es Knatsch zwischen zwei Teilnehmerländern. Es geht um Vorurteile und verletzte Gefühle.

Stein des Anstoßes ist der Musikbeitrag Estlands. Für das baltische Land soll der Rapper Tommy Cash antreten, und der Titel seines Liedes lässt schon vermuten, um welches andere europäische Land es geht: In "Espresso Macchiato" nimmt er die italienische Kultur aufs Korn. Cash singt in schlechtem Englisch mit künstlichem italienischem Akzent – und nicht nur das ärgert die Italiener.

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ESC-Beitrag bringt Italien in Verbindung zur Mafia

In dem Text verarbeitet der Rapper nämlich so ziemlich alle Klischees, die es über Italien gibt. Vor allem eine Zeile sorgt für Empörung: "I work around the clocko. That’s why I’m sweating like a mafioso" – "Ich arbeite rund um die Uhr, deshalb schwitze ich wie ein Mafioso." Vor der gesamten europäischen Öffentlichkeit möchten die Italiener ungern in Verbindung mit der Mafia gebracht werden, schon gar nicht von einem Rapper aus Tallinn. Und dass Cash in dem Musikvideo seinen Latte Macchiato aus einem Starbucks-Becher trinkt, dürfte ebenfalls nicht gut ankommen. Außerdem geht es in dem Song um Spaghetti, Zigaretten – und natürlich Kaffee.

Der italienische Verbraucherschutzverband Codacons hat bei der European Broadcasting Union (EBU), die den ESC ausrichtet, bereits Protest eingelegt. Der Song vermittle die Botschaft, dass die Italiener "mit organisiertem Verbrechen verbunden" seien. Die Organisation forderte die EBU deshalb auf, sogar einen Ausschluss Estlands vom diesjährigen Wettbewerb zu prüfen.

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Auch der rechte Senator Gian Marco Centinaio ärgert sich über den Song. Er hat sogar einen Werbeflyer mit dem Bild von Cash drucken lassen. Sein Slogan: "Wer Italien beleidigt, muss beim ESC draußen bleiben." Cash solle nach Italien kommen, fordert der Politiker, um zu sehen, wie hart die Italiener arbeiten.

Tommy Cash ist bekannt für provokante Auftritte

Tommy Cash steht seit Samstag als Teilnehmer für Estland fest, er gewann das Finale der nationalen Ausscheidungsshow. In seiner Heimat ist der Rapper schon länger für provokante Auftritte bekannt. Auf der offiziellen ESC-Seite wird er als "Symbol für radikale künstlerische Freiheit" bezeichnet. 

Zu den Reaktionen auf den Song hat sich Tommy Cash noch nicht geäußert. Auf Youtube wurde sein Video aber schon mehr als 2,6 Millionen Mal angesehen, bei Spotify kletterte es in den Charts nach oben (auch in Italien) – womöglich ein Vorteil, wenn es im Mai um Punkte aus ganz Europa geht.

Quellen: Codacon, Gian Marco Centinaio

epp
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