Heidi Klum predigt bei "Germany's next Topmodel" Diversität und Body-Positivity. Doch beim Casting für ein Fotoshooting fühlt sich Kandidat Faruk wegen seines Gewichts diskriminiert und geht den Kunden an. Seine Konkurrenten zeigen sich solidarisch- zunächst.

Kurz vor dem Start der 20. Staffel "Germany's next Topmodel" (GNTM) bezog Heidi Klum im Interview mit dem Magazin "stern" noch Stellung zu den Vorwürfen, ihre Modelshow würde den in der Fashionszene gängigen Magerwahn unterstützen und junge Frauen in die Essstörung treiben. "Vor 20 Jahren gab es bestimmte Körpermaße, die für mich und für alle, die gern modeln wollten, einzuhalten waren", erklärt die 51-Jährige, warum das Gewicht in den Anfangsjahren eine besonders große Rolle gespielt habe. "Zu dünne" Models habe sie aber nie unterstützt. Und inzwischen setze sie auf Diversität und suche daher in den neueren Staffeln der Castingshow explizit auch nach Plus-Size-Bewerber und -Bewerberinnen.

"Die Kunden und Firmen ziehen leider noch nicht so mit, wie ich mir das wünschen würde. (…) Es ist sehr schade, wie viele Unternehmen sich 'Diversity' auf die Fahne schreiben, in der Realität davon aber wenig verwirklichen", beklagte Klum im Gespräch mit dem "stern".

Wie diese "Realität" aussieht, erfährt Faruk, einer der männlichen Kandidaten der diesjährigen GNTM-Staffel, nun am eigenen Leib. Beim Casting für das Lifestyle-Magazin "Approved" buhlen er und seine Konkurrenten in engen Tanktops in einer Box-Halle um die Gunst des Chefredakteurs Oliver Rauh. Dieser wünscht sich Persönlichkeit, Körperlichkeit und sympathisches Auftreten - bitte aber möglichst in einer muskulösen und durchtrainierten Verpackung. Denn zwar bescheinigt Rauh Faruk ein "Strahlen, das mich begeistert hat" und findet, dass sein Blick "einfach Wahnsinn" ist, doch ins Heft darf das Nachwuchsmodel trotzdem nicht. Er rate ihm "noch ein wenig selbstbewusster zu werden und auch ein bisschen mehr Workout zu machen", so Rauh - und klopft sich jovial auf den eigenen Bauch. Eine Geste, die unmissverständlich zeigt: Faruks Figur ist nicht approved für "Approved".

Dabei hatte das Nachwuchsmodel Rauh angeblich zuvor noch mit seiner ganz persönlichen Geschichte "überzeugt". Der früher übergewichtige Dortmunder hat in den vergangenen Jahren mit viel Disziplin abgenommen und dies beim Casting erzählt. Da verwundert es nicht, dass Faruks Reaktion auf diese Kritik an seinem Körper deutlich ausfällt: "Was hat er gesagt? Spinnt der?", fragt er seinen Nebenmann. Und geht beleidigt Richtung Umkleide ab.

Während Rauh noch rätselt, was er jetzt "Schlimmes" gesagt habe, lässt Faruk backstage Dampf ab: "Der Kunde hat mich in dem Moment diskriminiert. Er hat gesagt, ich soll abnehmen. Ich arbeite nicht mit respektlosen Menschen. (…) Ich gehe in jedes Nacktshooting, ohne meinen Bauch zu verstecken, und der sagt, ich soll selbstbewusster werden? Und dann sagt er 'Mach einen Workout' - mit seinem Bierbauch, Alter!" Wenn Models abgelehnt werden, dann solle man das wenigstens mit Respekt machen, findet Faruk. Er wisse selbst, dass er keinen "tollen Körper" habe, aber ihn wegen seines Gewichts "vor allen runterzumachen", ginge gar nicht: "Wie kann man mit so einem Bierbauch den Mut haben, Menschen zu sagen: 'Nimm mal ab'?". Genau das teilt Faruk Oliver Rauh dann auch noch persönlich mit. "Du bist fake!", wirft er dem Chefredakteur noch vor. Und wundert sich dann im GNTM-Einzelinterview später, wie man "in einer Show, in der es um Body-Positivity geht, so diskriminierend sein kann".

Männermodels proben den Aufstand

Der Chefredakteur beteuert indes weiterhin, er habe das "nicht negativ" gemeint, aber es gehe nun mal um ein Box-Shooting und dementsprechend brauche man "Bodys". Und Absagen gehören "leider dazu". Seine Entschuldigung nimmt das Jung-Model allerdings nicht an.

Die sechs Auserwählten für das "Approved"-Shooting zeigen sich zunächst solidarisch mit Faruk und lehnen den Job für das Magazin ab. Kevin, Pierre und Moritz kommen allerdings schnell ins Grübeln. Auf Rückgrat folgt ein Rückzieher. Trotz "Liebe" und "Respekt" für alle, am Ende seien sie doch alle Konkurrenten und möchten weiterkommen.

Und was sagt Heidi Klum, die sich Diversität doch so auf die Fahne geschrieben hat und sich zu Beginn ihrer Karriere nach eigenen Angaben oft anhören musste, zu kurvig für ein Model zu sein? "Wir machen hier auch eine Reality-Show und so etwas kann passieren, weil wir das echte Leben darstellen. Und Sie, liebe Zuschauer, müssen sich ihre Meinung dazu selbst bilden." Ob Oliver Rauh Heidi Klum hier möglicherweise geraten hätte, "ein bisschen selbstbewusster" zu sein?

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