Fünf Jahre Haft. Zu dieser Strafe ist der franko-algerische Schriftsteller Boualem Sansal am Donnerstag verurteilt worden. Die Urteilsverkündung im Gericht von Dar Al-Beïda in der Nähe von Algier war knapp und erfolgte auf Arabisch. Sansal, der sein graues Haar stets zu einem Zopf zusammengebunden trug, erschien in einer grünen Häftlingsjacke mit kahl rasiertem Schädel. „Unbeeindruckt“, wie es ein Agenturjournalist formuliert, habe er sich dem Richter genähert, um ihm zu verstehen zu geben, dass er das Urteil nicht verstanden habe. Dieser soll daraufhin auf Französisch das Strafmaß wiederholt haben.

Nach Verkündung des Urteils appelliert Sansals französischer Anwalt, der nicht einreisen durfte, an die Menschlichkeit des Regimes in Algier. „Sein Alter und sein Gesundheitszustand machen jeden weiteren Tag seiner Haft unmenschlich“, schrieb François Zimeray in den sozialen Netzwerken. „Ich appelliere an den algerischen Präsidenten: Die Justiz hat versagt, nun muss die Humanität Vorrang bekommen.“ Ähnlich hatte es auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in einem Tweet kurz vor Urteilsverkündung formuliert. Er hat Sansals unverzügliche Freilassung gefordert und schrieb auf X, dass er Vertrauen in den algerischen Präsidenten Abdelmadjid Tebboune und seine „Klarsicht“ habe.

Hoffen auf Begnadigung

In Frankreich wird das Urteil mit vorsichtiger Erleichterung aufgenommen, weil man in Paris auf eine Begnadigung Sansals durch den algerischen Präsidenten hofft. Das schnelle Urteil würde das möglich machen. Der Staatsanwalt hatte zehn Jahre gefordert, was für den 80-jährigen, schwer an Krebs erkrankten Sansal auf lebenslänglich hinausgelaufen wäre.

In Paris hieß es, dass es mehrfach diplomatischen Austausch gegeben habe. Unter anderem sei Macrons Beraterin für den Nahen Osten und Nordafrika nach Algier gereist. Sie bereite, so hieß es weiter, eine Reise von Außenminister Jean-Noël Barrot vor, die in der ersten Aprilwoche geplant sei. Frankreichs Außenminister werde dort seinen algerischen Amtskollegen Ahmed Attaf, womöglich auch Präsident Tebboune treffen.

Sansal war am 16. November überraschend bei seiner Ankunft auf dem Flughafen von Algier verhaftet worden. Ihm wurden die Gefährdung der Staatssicherheit und Spionage vorgeworfen. Er habe die „Existenzberechtigung der algerischen Nation“ und ihrer Grenzen infrage gestellt, hieß es aus Algier. In Frankreich und in Deutschland verurteilen Unterstützerkomitees seine Verhaftung als Verstoß gegen die Menschenrechte und fordern seither seine Freilassung.

Sansal ist zu einer politischen Geisel in einem Konflikt zwischen Algier und Paris geworden. Macron hatte im Juli 2024 für Marokko Position bezogen in einem seit Jahren andauernden Konflikt zwischen Algerien und dem Nachbarstaat um Gebiete der Westsahara. Eine Position, die auch Sansal in einem Interview vertreten hatte.

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