Für viele ist E.1027 (manchmal auch E-1027) nur eine sperrige Aneinanderreihung von Buchstaben, Satzzeichen und Ziffern. Manche aber bekommen leuchtende Augen, weil sie sofort an ein Haus an der Côte d’Azur denken müssen und an einen Tisch, die beide dieselbe Typenbezeichnung tragen. Die irische Architektin und Designerin Eileen Gray (1978 bis 1976) war eben nicht nur in ihren Entwürfen, auch in deren Benennung durch und durch modern.

Das Haus ist ein aufgeständerter Riegel in der südfranzösischen Steilküste zwischen Monaco und Menton. Seit der vor einigen Jahren erfolgten Renovierung strahlt es wieder weiß und blau. Das Flachdach kragt aus, die Terrassen werden von einer eckigen Reling gefasst. Das Tischchen gehörte zum Interieur und besteht aus kreisrund gebogenem Stahlrohr. Der Clou: Die Platte ist höhenverstellbar dank eines Metallstifts, der an einer Metallkette baumelt.

Tisch wie Haus hat Eileen Gray für ihren Geliebten Jean Badovici entworfen. Er war Kritiker, verlegte ein Architekturmagazin, war 15 Jahre jünger. Irgendwann zerbrach die Liebe, und Gray musste sich ein neues Haus bauen. Schlimmer aber war, dass ihr Intimfeind, der Schweizer Architekt Le Corbusier, sich auf Badovicis Wunsch in der E.1027-Villa mit Wandmalereien verewigen durfte, die sogar mit saniert und konserviert wurden.

Das Haus ist inzwischen als nationales Baudenkmal Frankreichs eingetragen und kann besichtigt werden. Den Tisch kann man in den Designsammlungen des Museum of Modern Art in New York und des Centre Pompidou in Paris anschauen. Man kann ihn auch kaufen. Der E.1027-Tisch wird bis heute lizenziert und kostet rund 1000 Euro im Handel.

Auf mindestens das 150-fache ist der Prototyp geschätzt, der bei Lempertz in Köln versteigert werden soll. „Dieses Ur-Exemplar ging von Eileen Gray selbst in den Besitz einer Freundin“, berichtetet Lempertz, nämlich der Malerin Prunella Clough. Später gehörte der Tisch dem Filmemacher Peter Adam, der eine Dokumentation über Gray gedreht hatte. Dass er am 16. Mai 2025 bei einem deutschen Auktionshaus übers Pult gehen soll, ist bei der Taxe von 150.000 bis 200.000 Euro eine kleine Sensation.

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