Das Wiener Geschwisterduo fährt für Deutschland zum ESC. Dem stern haben Abor & Tynna erzählt, wie die Arbeit mit Stefan Raab aussieht und wie ihre Eltern sie gefördert haben.

Am Ende siegte der Ohrwurm: Mit "Baller" holten Attila und Tünde Bornemisza alias Abor & Tynna den Sieg beim ESC-Vorentscheid von Stefan Raab. Die Geschwister aus Österreich vertreten nun Deutschland beim Eurovision Song Contest und stecken mitten in den Proben dafür. Mit dem stern haben sie über die Zusammenarbeit mit Raab gesprochen und Einblicke in ihre musikalisch geprägte Kindheit gegeben.

Glückwunsch: Sie fahren für Deutschland zum ESC. Was hat sich seit dem Sieg für Sie verändert? 
Tynna: So gut wie alles! Bisher war das mit der Musik kein Vollzeitjob. Wir haben in Wien noch studiert, ich Psychologie, mein Bruder Maschinenbau.  Aber jetzt bleibt dafür keine Zeit mehr. Unsere Social-Media-Accounts sind drastisch gewachsen, unsere Tour im September ist plötzlich ausverkauft, wir spielen in viel größeren Locations. Das freut uns sehr, genau das wollten wir ja. 
Abor: Ich habe meinem Professor nach dem Sieg sagen müssen, dass ich zur Lehrveranstaltung doch nicht kommen kann, weil ich jetzt erst mal anderweitig beschäftigt bin. Wir hätten nie gedacht, dass wir zum Casting eingeladen werden, geschweige denn gewinnen. Die Bewerbung haben wir nebenbei zwischen zwei Sessions im Studio rausgeschickt.
Tynna: Es ist eine Riesenehre für uns.

"Abor & Tynna" Song spitze, Auftritt wacklig: Dieses Duo fährt für Deutschland zum ESC

Sie sind mit 24 und 26 noch relativ jung – war Ihnen Stefan Raab vorher überhaupt ein Begriff? 
Tynna: Nur vom Namen her.
Abor: Ich kannte ihn nur vage von "Schlag den Raab", das hat mein Opa immer geschaut. Aber wir sind nicht mit Raab aufgewachsen, bei uns zu Hause gab es keinen Fernseher.

Das Debütalbum "Bittersüß" von Abor & Tynna ist im Februar erschienen © PR

Wurde in Ihrer Familie dann überhaupt der ESC geguckt?
Tynna: Nein, nicht jedes Jahr, aber unsere Mama hat das ab und an gern geschaut. Und wir erinnern uns an das Jahr, als Loreen mit "Euphoria" gewonnen hat. Das war prägend für uns, weil die Performance so geil und anders war.

Bei Ihrem Auftritt im Finale des Vorentscheids haben Sie, Tynna, am Schluss das Cello Ihres Bruders zertrümmert. Ihr Vater ist Cellist bei den Wiener Philharmonikern – was hat er dazu gesagt? 
Abor: Er hat es mit Humor genommen. Es wurde ja auch keine Stradivari zerstört. 

Die Idee mit dem zertrümmerten Cello stammte von Stefan Raab. Ruft der jetzt eigentlich täglich bei Ihnen an? 
Tynna: Nein, dafür hat der selbst viel zu viel zu tun neben dem ESC. Aber wir sind ein Team, und bei den wichtigen Entscheidungen ist Stefan mit dabei.

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Bei welchen Fragen schätzen Sie seinen Rat besonders? 
Tynna: Er hat viel Erfahrung mit Inszenierung, weil er ja schon selbst beim ESC angetreten ist. Da vertrauen wir auf seine Ratschläge. Aber es ist trotzdem noch unser Song, wir haben unsere eigenen Vorstellungen. Am Ende werden hoffentlich alle glücklich sein mit dem Ergebnis.

Was braucht eine gute ESC-Performance Ihrer Meinung nach?
Tynna: Der Song muss eingängig sein. Wir müssen mit unserer Ausstrahlung auf der Bühne überzeugen. Ich muss mit meiner Stimme zu hundert Prozent da sein. Aber das Allerwichtigste ist der Wow-Moment innerhalb des Auftritts, den kennen und erwarten die ESC-Fans.

Das Geschwister-Duo Abor & Tynna singt auf der Bühne der ARD-Sendung «Chefsache ESC 2025 - Wer singt für Deutschland?» im Finale. © Willi Weber/Willi Weber/NDR/Raab Entertainme
"Baller": Das ist Deutschlands Song für den ESC in Basel © rtl.de

Wie sehen Ihre Vorbereitungen aus? 
Tynna: Ich bin immer noch ein bisschen krank und muss mich jetzt erst einmal gut erholen. Wir waren seit Wochen fast rund um die Uhr mit der Show beschäftigt, nach dem Sieg kamen natürlich noch mehr Promo-Termine und die ersten Proben dazu. Für meine Stimme ist es wichtig, dass ich mich jetzt auskuriere – und dann geht es auch schon in die Vocal-Coach-Sessions.  

Sie wirken recht entspannt. Spüren Sie keinen Druck? 
Abor: Wir hätten wahrscheinlich mehr Druck, wenn Deutschland bisher in jedem Jahr den ersten Platz gemacht hätte. Aber natürlich geben wir alles und wollen dem Umstand gerecht werden, dass wir jetzt eine ganze Nation repräsentieren.

Raab will wieder zum ESC? Warum das eine gute Idee ist

Was hat Stefan Raab vor? Über Ostern meldete sich der Entertainer überraschend nach neun Jahren Funkstille auf Instagram zurück, kündigte einen erneuten Boxkampf mit Regina Halmich an. Doch soll das wirklich alles sein? Der Branchendienst "dwdl.de" berichtet: Nein, Raab plane ein großes ESC-Comeback. Er sei mit seinem Team bereits bei ARD, ZDF, RTL und Pro7/Sat.1 vorstellig gewesen und habe seine Idee präsentiert: eine Revolution des deutschen Vorentscheids, ausgestrahlt auf vier TV-Sendern. Ähnlich wie etwa in den skandinavischen Ländern soll es so im Publikum mehr Identifikation mit dem deutschen Act geben. Ob das Ganze Realität wird, ist noch völlig unklar. Sicher ist aber: Raab hat ein Händchen für den ESC. Das hat er mehrfach bewiesen. Angefangen hat alles im Jahr... © Imago
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Ihre Eltern haben großen Wert auf eine klassische Musikausbildung gelegt: Abor, Sie spielen Cello, Tynna, Sie Querflöte. Wie hat Sie das geprägt? 
Tynna: Wir haben viel von unserem Vater gelernt, als wir angefangen haben zu spielen. Im Alter von sechs bis 17 haben wir jeden Tag intensiv geübt, haben Tipps von ihm bekommen. Als Kind ist man nicht immer motiviert, diese Sachen nach der Schule durchzuziehen, aber unsere Eltern haben darauf bestanden und unsere Talente gefördert. Dafür sind wir jetzt sehr dankbar, es war ein Zeichen ihrer Liebe und Unterstützung.
Abor: Seit wir 18 waren, üben wir aber nicht mehr täglich. Das braucht man nur, wenn man auf den technischen Höhepunkt kommen, in einem Top-Orchester mitspielen oder eine Solokarriere starten will. Nicht, wenn man "nur" ein Konzert begleiten möchte. Ich habe mit 16 sicherlich besser Cello gespielt als jetzt.

Trotzdem sind Sie heute Berufsmusiker. Wie kam es dazu?
Abor: Wir haben zu Hause viel Musik gemacht, und unsere Mama hat das häufig gefilmt und bei Facebook gepostet, weil sie so stolz war. Dadurch ist ein Freund von ihr aus der Musikbranche auf uns aufmerksam geworden und hat uns in sein Wiener Studio eingeladen. Heute ist es unser Manager.
Tynna: Unsere klassische Musikausbildung war sehr ernst, aber unsere gemeinsame Musik war zunächst nur ein Hobby. Erst als wir eine Förderung von einem Musikfonds bekamen und dann auch den Plattenvertrag in Berlin unterschrieben haben, gab es einen richtigen Schub. Und spätestens jetzt wissen wir: Das könnte was werden!

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Gerade ist Ihr erstes Album "Bittersüß" erschienen. Worum geht es darauf?
Tynna: Das zentrale Thema ist Trennung. Bei "Baller" geht es zum Beispiel um die Befreiung, um den Abschied von der Melancholie. Es ist ein Song der Selbstmotivation, es geht darum, dass man nach einem traurigen Ereignis wieder aufsteht und sagt: "I shoot for the stars – jetzt greife ich wieder nach den Sternen." Wir haben anderthalb Jahre an dem Album gearbeitet, zirka 60 bis 70 Demos aufgenommen und uns daraus dann die besten Songs rausgepickt.

Klingt nach sehr viel Zeit, die Sie zusammen verbringen. Wie ist es, als Geschwister so eng zusammenzuarbeiten? 
Tynna: Es ist ein Vorteil, dass wir uns so gut kennen, die Kommunikation ist dadurch leichter. Und uns bewegen ähnliche Melodien und Sounds. Kein Wunder, wir sind ja mit den gleichen musikalischen Einflüssen aufgewachsen und haben so einen ähnlichen Musikgeschmack entwickelt. Klar, manchmal ist es auch anstrengend, wenn einer einen schlechten Tag hat – das wäre aber mit jeder anderen Person auch so.

Nervt "Baller" Sie eigentlich schon?
Abor: Ein bisschen!
Tynna: Ach, mich noch nicht. Und dabei kenne ich den Song ja schon viel länger, als Deutschland ihn kennt.

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