Er war schon früh in der Opposition der DDR aktiv, saß danach für die Grünen um Bundestag und war der erste Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechte. Nun ist Gerd Poppe im Alter von 84 Jahren gestorben.
Der DDR-Bürgerrechtler und erste Menschenrechtsbeauftragte der Bundesrepublik, Gerd Poppe, ist tot. Poppe sei am Samstag im Alter von 84 Jahren gestorben, teilte die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur mit. Poppe war einer ihrer Mitbegründer.
Erster Beauftragter der Regierung für Menschenrechte
Der studierte Physiker Poppe war seit 1968 in oppositionellen Kreisen der DDR aktiv und organisierte literarische Abende mit kritischen Autoren. 1976 protestierte er gegen die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann. Wegen seiner politischen Haltung wurden Poppe und seine Frau mehrfach festgenommen. Teilweise konnte Poppe nicht seinem Beruf nachgehen und verdiente seinen Lebensunterhalt als Maschinist im Keller einer Berliner Schwimmhalle.
1985 gründete er zusammen mit Bärbel Bohley und Wolfgang Templin die Oppositionsgruppe Initiative Frieden und Menschenrechte (IFM). Sie setzte sich für Demokratie ein. Poppe wurde durch sein Engagement zu einem der geistigen Väter der friedlichen Revolution des Herbstes 1989.
Nach der Wende wurde er in der DDR Minister ohne Geschäftsbereich in der Regierung von Hans Modrow. Anschließend saß Poppe bis 1998 für die Grünen im Bundestag. Von 1998 bis 2003 war er in dem damals neu geschaffenen Amt Beauftragter für Menschenrechte der damaligen rot-grünen Bundesregierung von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD).
"Opposition, die gewaltfrei, prinzipientreu und zukunftsgewandt war"
In einem Nachruf würdigte die Bundesstiftung Poppe als jemanden, der "zu jener kleinen Gruppe von Frauen und Männern" gehörte, "die seit den 1970er-Jahren in der DDR beharrlich gegen die kommunistische Diktatur aufbegehrten - mit Worten, mit Haltung, mit persönlichem Risiko." Er sei verhaftet worden, habe sich aber nicht einschüchtern lassen. "Poppe stand für eine Opposition, die gewaltfrei, prinzipientreu und zukunftsgewandt war."
Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Katrin Göring-Eckardt würdigte Poppe als "Kämpfer für die Freiheit". "Seine Entschlossenheit hat angesteckt, nicht weil er ein großer Anführer war, sondern ein überzeugender Diskutant", schrieb Göring-Eckardt im Onlinedienst X. Die Grünen hätten ihm sehr viel zu verdanken. "Vor allem den realistischen Kurs in der Außenpolitik."
Früher Putin-Kritiker
Dabei erinnerte Göring-Eckardt an Poppes Rolle während der Kriege auf dem Balkan. Er habe damals mit wenigen anderen den Kampf für Verantwortungsübernahme, auch militärisch, gekämpft. "Er wird sehr fehlen und sein Rat in diesen fragilen Zeiten, in denen die Freiheit allüberall bedroht ist, besonders."
Poppe hatte schon vor mehr als 20 Jahren das Vorgehen von Russlands Präsident Wladimir Putin und auch von China gegen andere Völker kritisiert. Zum Tag der Menschenrechte 2002 schrieb er damals, "die Unterdrückung ganzer Völker - Uiguren, Tibeter, Tschetschenen - ist kein Beitrag zum Antiterrorkampf. Ganz im Gegenteil: Sie schafft erst den Nährboden für die Zunahme extremistischer Gewalt."
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