So ganz überraschend ist die Ankündigung und der drohende Vollzug nicht. Donald Trump will in den nächsten Tagen weitere Strafzölle einführen. Nachdem unter anderem bereits nicht in den USA produzierter Stahl einen Strafzoll von 25 Prozent aufgebrummt bekommt, sind jetzt Pkw und kleine Nutzfahrzeuge dran.
Nachdem es bereits in China nicht mehr läuft, die nächste schlechte Nachricht für die europäische und speziell die deutsche Autoindustrie. Besonders betroffen: die deutschen Premiumhersteller wie Audi, BMW, Mercedes und Porsche, denn sie verkaufen einen nennenswerten Teil – zumeist zwischen 10 und 30 Prozent – ihrer Produkte in die USA. Besonders Audi und Porsche wird der neue Strafzoll treffen. Denn während BMW in Spartanburg seine weltweit größte Fertigung ohnehin bereits in den USA hat und auch Mercedes in Tuscaloosa sowie in North Charleston große Fertigungen jenseits des Atlantiks betreibt, sieht das bei Audi oder Porsche ganz anders aus.

Mobilität Hyundai Inster im Test: Das günstig-gute Elektroauto-Wunder?
9 BilderAudi entschied sich vor Jahren, eine Fertigung in Mexiko aufzubauen und machte stattdessen einen Bogen um die USA, weil lokale Vergünstigungen und Lohnkosten in San Jose Chiapa zu verlockend waren. 2024 wurden hier von 5.600 Arbeitern knapp 150.000 Fahrzeuge vom Typ Q5 gebaut. Porsche hat in den Vereinigten Staaten ebenfalls aktuell keine Fertigung, weil die Stückzahlen dies bisher nicht erforderten.
Der kleine Crossover Porsche Macan kommt aus Leipzig und der Cayenne wie die anderen großen SUV-Modelle wie Audi Q8, VW Touareg, Bentley Bentayga, etc.) aus dem Volkswagen Konzern aus Bratislava. Doch auch bei BMW und Mercedes sorgt die Nachricht der US-Strafzölle von stattlichen 25 Prozent kaum für gute Laune, denn in Spartanburg und Tuscaloosa werden allein größere SUV-Modelle – speziell auch für den nordamerikanischen Markt – gefertigt. Limousinen wie der BMW 3er, 5er, 7er sowie Mercedes C-, E- oder S-Klasse werden aus Europa importiert und werden damit umgehend deutlich teurer, weil die Autohersteller dies an die Kunden weitergeben werden.
VDA-Präsidentin: "Fatales Signal für den freien Handel"
"Die angekündigten zusätzlichen US-Zölle in Höhe von 25 % auf alle Pkw und leichte Nutzfahrzeuge, die nicht in den USA hergestellt werden, sind ein fatales Signal für den freien und regelbasierten Handel", ärgert sich VDA-Präsidentin Hildegard Müller, "die Zölle, die ab dem 2. April in Kraft treten sollen, stellen eine erhebliche Belastung sowohl für die Unternehmen als auch die eng verwobenen globalen Lieferketten der Automobilindustrie dar – mit negativen Folgen vor allem für die Verbraucher – auch in Nordamerika." Derzeit gibt es jedoch ein Ungleichgewicht zulasten der US-Marken, denn die Europäische Union beteuert die Einfuhr von US-Fahrzeugen mit zehn Prozent, während die USA nur 2,5 Prozent beim Import berechnen.

E-Auto-Bauer Musk ist Trumps Schattenvize – sein Unternehmen Tesla warnt vor dessen Zöllen
Auch den europäischen Massenhersteller Volkswagen würden die US-Zölle treffen. Zwar haben die Wolfsburger in Chattanooga seit Jahren eine moderne Fahrzeugfertigung. Doch diese läuft bei weitem nicht so erfolgreich wie ehemals geplant. Hier werden von rund 5.000 Beschäftigen die Modelle VW ID4 (Elektro) und die US-Modelle Atlas und Atlas Cross Sport gefertigt. Modelle wie Tiguan, Taos, Jetta, Golf oder ID Buzz kommen aus Europa oder Mittel- und Südamerika in die USA und fallen somit ebenfalls unter die neue Steuer.
BMW ist aus seiner Fertigung in Spartanburg seit Jahren sogar der größte Autoexporteur der USA; größer als Heimspieler wie Tesla, General Motors, Ford, Jeep oder Chrysler. Nach Daten des US-Handelsministeriums exportierte BMW allein im vergangenen Jahr rund 225.000 Fahrzeuge im Wert von mehr als zehn Milliarden US-Dollar – mehr als jeder andere. "Das Werk in Spartanburg ist seit über 30 Jahren ein wichtiger und heute der größte Standort in unserem Produktionsnetzwerk", erklärt BMW-Produktionsvorstand Milan Nedeljković, "der starke Exportanteil unseres Werks unterstreicht, welche Bedeutung Freihandel für die USA hat. Davon profitiert nicht nur unser Werk, sondern auch das starke Lieferantennetzwerk in der Region." Seit 2014 gab es Ausfuhren von 2,7 Millionen Fahrzeugen im Gesamtvolumen von 104 Milliarden US-Dollar. 70 Prozent der dort verbauten Stahl- und Aluminiummengen stammen aus den USA und haben daher mit Strafzöllen nichts zu tun.
Deutsche Automobilindustrie beschäftigt in den USA knapp 140.000 Menschen
Die deutsche Automobilindustrie beschäftigt in den Vereinigten Staaten derzeit knapp 140.000 Mitarbeiter, rund 48.000 bei den Automobilherstellern direkt und weitere 90.000 bei deutschen Zulieferern. Die USA sind ein wichtiger Bestandteil im Produktionsnetzwerk der deutschen Automobilindustrie, weil von hier aus nicht nur die USA, sondern auch wichtige Märkte in Europa oder Asien speziell mit den so beliebten Crossovern versorgt werden. Im vergangenen Jahr haben die deutschen Hersteller in den USA über 844.000 Fahrzeuge in den USA produziert, wovon rund die Hälfte in alle Welt exportiert wurden. Doch nicht allein die deutschen Automarken setzt die neue Regelung unter Druck. Auch die asiatischen Marken wie Toyota, Lexus, Hyundai, Kia, Mazda oder Volvo fertigen nicht alle ihre Modelle für den US-Markt auch in den Vereinigten Staaten.

Umfrage Würden Sie WIRKLICH noch einen Tesla kaufen?
2024 wurden Pkw im Wert von 6,7 Milliarden Euro von den USA nach Deutschland exportiert - 136.000 Pkw. Damit liegen Pkw "Made in USA" gemessen am Wert hinter der Tschechischen Republik und Spanien auf Platz drei der deutschen Importstatistik. In die Europäische Union exportierten die USA im vergangenen Jahr Pkw im Wert von über 10 Milliarden Euro / 233.600 Stück. Im Vergleich zur Gesamtproduktion des Landes sehr wenig, weil US-Fahrzeuge in Europa seit Jahren nicht besonders beliebt sind. Der Volumenherstellern Tesla muss seine Fahrzeuge dagegen kaum importieren, da die meisten Fahrzeuge auch in Europa – speziell im Werk Grünheide nahe Berlin – gefertigt werden. Für andere US-Marken wie Ford, Cadillac oder Chevrolet lohnt eine eigene Fertigung aufgrund der geringen Volumina nicht.
press-inform ch- Auto
- USA
- Strafzoll
- Donald Trump
- Audi
- Mercedes-Benz
- Porsche
- Volkswagen
- EU
- China
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke